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Home arrow Buchbesprechung arrow Pino Bertelli - "Mannheim - Portr?t einer europ?ischen Stadt"
Pino Bertelli - "Mannheim - Portr?t einer europ?ischen Stadt" Drucken E-Mail

Kaum eine Stadt in der Republik, die so umstritten ist wie Mannheim - für manche Szene-Highlight und Shopping-Oase mit dem Flair der ?heimeligen Weltstadt?, die als Geheimtipp in der Yuppie-Szene gehandelt wird, für andere hingegen ein Beispiel heruntergekommener Bausubstanz, verwahrloster Industriebrachen und sozialer Verelendung einer Großstadt. Während sich in den In-Clubs der Quadrate die Reichen und Schönen tummeln, entwickelte sich, nur ein paar Häuserzeilen weiter, das Stadtviertel Jungbusch im Laufe der Zeit tatsächlich zum sozialen Brennpunkt, da man sich allzu lang mit nur mäßigem Erfolg um die Integration so genannter ?sozialer Randgruppen? kümmerte. Hier manifestiert sich das zwar beständige, mitunter jedoch verzweifelte und auch streckenweise fehlgeschlagene Bemühen, dessen Ergebnis sich mancher Politiker der Vergangenheit gerne mit dem Begriff ?Integration? auf die Fahnen schrieb. Wer die Stadt kennt, wer sich jemals in ihre Hinterhöfe, ihre ?Asyle? verirrt hat, wer ihren Menschen wirklich begegnet ist, den lässt sie nicht mehr los, oder aber er verabscheut sie und wendet sich für immer ab.
Pino Bertelli, der sich selbst als Straßenfotograf bezeichnet und ein bedeutender Vertreter des italienischen Neo-Situationismus ist, hat Mannheim zum Schauplatz eines seiner Straßenfotografie-Projekte gemacht und knüpft damit an ähnliche Projekte früherer Schaffensphasen an. Er machte sich auf in die Stadt, die nach Aussage des amtierenden Oberbürgermeisters ?auch eine Metropole sein könnte?, die Glamour und Elend, gnadenlosen Profit und sozialen Abstieg verbindet. Er begab sich auf die Prachtboulevards ebenso wie in die Hinterhöfe Mannheims, da die Straße für ihn das Atelier, der öffentliche Ort ist, ?an dem Menschen jenseits ihrer sozialen Identität erkennbar werden?. Es geht ihm um die Begegnung und Wahrnehmung des Menschen im Kontext einer bestimmten Umgebung. Er versteht die Straße als Ort, ?an dem sich die gesellschaftliche Struktur einer Stadt wiederfindet?. Bertelli demonstriert die Atmosphäre, das ??soziale Gedächtnis? der Stadt durch den Versuch, eine ?Verbindung zwischen den zu repräsentierenden Schichten? herzustellen. Über einen Zeitraum von insgesamt eineinhalb Jahren hat der Künstler fast jeden Winkel Mannheims mit der Kamera erkundet, Menschen unterschiedlichster Herkunft, sozialer Stellung und jeden Alters porträtiert. Dabei sind ihm sehr eindrucksvolle Aufnahmen gelungen, die den Menschen Respekt zollen, die auf spannungsvolle Weise der Vielfalt der Nationalitäten, den jeweiligen Lebenswelten, den Lebensentwürfen gerecht werden, die nebeneinander und teilweise sogar miteinander existieren.
Kaum eine Stadt, die so viele Gesichter hat, seien es Wohnsitzloser oder Bundestagsabgeordneter, die aus Kroatien stammende Kellnerin oder der Honorarkonsul der Republik Frankreich, der katholische Pfarrer oder das Roma-Kind. Diese Gegensätze kultureller und sozialer Natur sind es, die Bertellis Stadtporträt ebenso so interessant und spannungsreich wie einzigartig erscheinen lassen. Wenigstens hier entsteht der Eindruck einer tatsächlich ?europäischen Stadt?. Seine Porträtfotos sind nicht geschönt, glamourös oder schmeichelhaft, es handelt sich vielmehr um ?echte?, der Lebenswirklichkeit entsprungene Momentaufnahmen. Um die Worte Robert Häussers zu zitieren: ?Sie sagen uns etwas über den Menschen und bringen ihn uns näher?. Aus zahllosen Fotografien, deren teilweisen Verlust der Künstler zu beklagen hatte, werden hier pars pro toto 150 Aufnahmen präsentiert. So entstand ein wirklich beeindruckender Bildband, der durch Grußworte der Initiatoren, Kuratoren und Unterstützer des Projekts abgerundet wird. Er enthält darüber hinaus eine sehr aussagekräftige philosophische Abhandlung des Künstlers selbst zum Sujet der Straßenfotografie und zur Zielsetzung seiner Arbeit, die indes einen tiefer gehenden Denkanstoß liefert. Bertelli nimmt Stellung zur Absurdität der modernen Gesellschaft und ihrer Lebenswirklichkeit, wobei dieses Statement wirklich beeindruckend ist, beinhaltet es doch die unverblümt offene und überdies nachvollziehbare Kritik hinsichtlich des Albtraums an Gesellschaft, der auf uns zukommen wird - eine durchaus realistische Sichtweise.
?Mannheim = Der Menschheit Mitte Sitz? - vermutlich bringt dieses aus einem Lexikon des 18. Jahrhunderts entlehnte und im Buch aufgeführte Zitat die Intention des Künstlers am besten zum Ausdruck. (Sylvia Mutter)

Pino Bertelli
?Mannheim - Porträt einer europäischen Stadt?
Kehrer Verlag Heidelberg, 2007
Herausgeber: Angelo Falzone, Stadt Mannheim
Autoren: Angelo Falzone, Milan Chlumsky, Pino Bertelli, Künstler: Pino Bertelli
Festeinband, 30 x 30 cm, 180 Seiten, 151 Farbabbildungen, deutsch
ISBN 978-3-939583-69-1
? 39,00


Nr. 94/10

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