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Szene baut Karlsruhe Drucken E-Mail

Kunst und Kultur abseits von Theater, Oper und Konsorten

Die Bedeutung gastronomischer Einrichtungen für die Kunst und Kulturszene einer Stadt wird meist unterschätzt. Um die Stellung von Diskotheken, Clubs, Kneipen und anderen Einrichtungen dieser Art in der Fächerstadt zu beleuchten, wird raumK in dieser und in den kommenden Ausgaben etablierte Persönlichkeiten der Karlsruher Disko- und Kneipenszene zu Wort kommen lassen, um ihrer Sicht auf Kunst und Kultur der Stadt, aber auch ihren eigenen Einstellungen Gehör zu verschaffen.
Den Anfang macht Bernhard Vogt, der seit 4 Jahren die Geschicke der Karlsruher Szene-Lokation DOM lenkt.

Bernhard Vogt kam 1971 nach Karlsruhe, wo der gelernte Schlosser in den Achtzigern über die Inneneinrichtung von Diskotheken und die Arbeit an der Tür in Kontakt mit der Clubszene kam. Die teilweise unprofessionelle Arbeitsweise der Betreiber, welche er durch seine Nähe zur Szene beobachtete, animierte den von Qualitätsdenken geprägten Querdenker, sich in diesem Geschäft zu versuchen. Von Beginn an stieß er in Gefilden vor, welche zuvor unberührt waren, sei es sie Eröffnung des ersten House-Clubs der Stadt, die Veranstaltung Abendrot in der Majolika oder die erste Lokation mit freiem W-LAN in der Stadt.   

raumK: Was für Veranstaltungen bringen Sie und was erwartet den Gast im DOM?

Vogt: Im Dom findet eigentlich alles statt, was von ganz unten kommt. Dabei sind mir Veranstaltungen von Studenten der Kunsthochschule, Musikhochschule oder HfG eigentlich am liebsten. Also Inhalte von jungen Leuten, die die Plattform brauchen, weil sie in Karlsruhe leider zu wenig angeboten bekommen, unabhängig von der Richtung, sei es Malerei, Livemusik, DJ Musik, Vernissagen oder andere kulturelle Sachen. Es muss nur ohne Namen sein und viel Talent und Können haben.

raumK: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass in diesem Sektor in Karlsruhe zu wenig passiert?

Vogt: Wenn ich die Werbung in Karlsruhe betrachte leben wir in einem Paradies, denn laut Werbung und laut Aussage der Verantwortlichen ist genug da. Und das es nicht wirklich im Lebensmittelpunkte der Karlsruher steht, liegt daran, das man mit  Essstäbchen keine Suppe löffeln kann. So funktioniert Kultur eben nicht.

raumK: Was ist Ihre Vorstellung, wie in Karlsruhe Kultur passieren soll, auch in den Clubs?

Vogt: Meiner Meinung nach haben wir keinen Club in Karlsruhe, ich hab allerdings auch einen anderen Anspruch an einen Club. Ein Club ist für mich eine Örtlichkeit, in der ich neue Dinge kennenlernen kann. Und wenn ich in Karlsruhe weggehe, höre ich SWR3 Playlisten und das interessiert mich weniger und deshalb mache ich eben im DOM das was ich mache.

raumK: Also sind Sie weniger am Kommerziellen interessiert und verstehen das DOM also als eine Plattform für junge Künstler die so nicht die Möglichkeit haben, nach außen zu treten?

??wenn ich mit Kunst und Kultur komme und dann noch subventioniert werde, dann bin ich ehrlich und sage das Musik Europa nicht gebaut hat.?

Vogt: Ja, aber nicht nur junge Künstler, wir haben  auch erfahrene Künstler als Gäste. Ich habe hier zum Beispiel DJs - die sind nicht mehr jung, Diplomkünstler, die an der Kunstakademie lehren und ihre Musik machen. Ideal ist für mich immer der Austausch zwischen Jung und Alt. Wenn das Interview erscheint bin ich 50, und ich kann von jungen Kreativen wahnsinnig viel lernen und ich glaube auch junge Leute können viel von mir mitnehmen. Ich denke dieser Austausch fördert Kultur generell und da sehe ich in Karlsruhe ein wahnsinnig großes Potenzial und wir haben in Karlsruhe jedes Jahr einen riesen Austausch mit Studenten, aber ich sehe es nicht gelandet, ich sehe nur Hochglanzprospekte mit Schlagwörtern, wo Begrifflichkeiten abgedruckt werden, die nicht gelebt werden.

raumK: Spielen Sie da auf den Slogan an, ?Musik baut Europa??

Vogt: Ja, auch. Nicht nur ?Musik baut Europa?, generell der Umgang mit der deutschen Sprache in Karlsruhe. Also generell der Umgang mit Kultur und das fängt bei mir bei der Sprache oder noch davor mit der Moral an. Wenn ich durch die Stadt laufe und keine deutschen Begriffe mehr in den Schaufenstern lese, dann ärgert es mich, aber abkotzen muss ich einfach, wenn ich auf sogenannten Kulturträgern nur noch Anglizismen zu lesen bekomme, wie zum Beispiel ?Art Parken?. Sauberes, moralisches Arbeiten bedeutet erst mal, ich arbeite ehrlich und nicht auf einen kurzen Effekt hin. ?Musik baut Europa? mag ja ein guter Slogan sein, aber der keinerlei Inhalt hat. Und das ist das traurige, denn wenn ich mit Kunst und Kultur komme und dann noch subventioniert werde, dann bin ich ehrlich und sage das Musik Europa nicht gebaut hat.

raumK: An wen richtet sich die Kritik und was müssten die Verantwortlichen Ihrer Meinung nach besser machen?

Vogt: Die Kritik geht an alle und jeden und ich hab jetzt die Gelegenheit das mal zu sagen. Ich hätte in Karlsruhe nichts dagegen,  wenn in französischer Sprache gearbeitet werden würde, das ist ja schließlich unser unmittelbarer Nachbar, aber da wo Steuergelder für Kunst und Kultur ausgegeben werden, müsste es wie in Frankreich auch eine klare Regelung geben, das man sich ans deutsche Wort hält. Ich hab das mal in der Schule beigebracht bekommen, das die deutsche Sprache eine gute Sprache ist und immerhin ein paar Künstler hervorgebracht hat, die ich in raumK nicht erwähnen muss, die mit der deutschen Sprache recht gut umgehen konnten und da klafft einfach eine riesen Lücke.
Aber diesen Slogan ?Musik baut Europa? habe ich nicht so ganz kapiert.

?Das Fest? ist für mich eine Veranstaltung, auf die ich gehe, wenn ich 16jährige Freiburger Kinder kotzen sehen will.?

raumK: Um nochmal auf das Programm im DOM zurückzukommen. Sie setzen hier auf Subkultur, haben aber auch überregional bekannte Künstler am Start. In Anbetracht dessen, das das Fest jetzt vor der Tür steht, kann man Künstler welche über die Jahre im DOM aufgetreten sind auch auf dem Fest sehen und hören?

Vogt: Das ist hin und wieder passiert. Wobei ich ehrlich gesagt nicht gern sehe das DJs von mir dort sind. Das Fest ist mittlerweile eine kommerzielle Veranstaltung und die Festbesucher der Achtziger können sehr gut nachempfinden was mit einem passiert, wenn man da heute hingeht. Die Idee die im Ursprung dahinter stand, das regionale Künstler eine Plattform haben, ist dahin und was mich schon sehr stört, ist das Steuergelder dafür verwendet werden. Letztlich ist das Fest ist für mich eine Veranstaltung, da gehe ich hin, wenn ich 16jährige Freiburger Kinder kotzen sehen will.

raumK: Wenn wir das Nachtleben in Karlsruhe betrachten. Wie schätzen Sie die Szene ein?

?Man muss die Leute einbinden, sie ernst nehmen und vor allen Dingen muss diese Sprachlosigkeit zwischen den Generationen vorbei sein.?

Vogt: Das überraschende in Karlsruhe ist, das es nicht nur eine Szene, sondern sehr viele kleine Szenen gibt, die jede für sich ist. Wir haben in Karlsruhe zum Beispiel eine sehr starke Rap und Hip-Hop Szene, von der niemand irgendetwas groß mitbekommt. Es passiert eigentlich viel von Idealisten, die zum Beispiel Avantgarde-Bands aus Amerika nach Karlsruhe holen, die in der New York Post abgefeiert werden und hier quasi für ein Abendessen spielen. Die Vielfalt ist absolut da, aber diese Vielfalt ist nur zu sehen, wenn man im Netzwerk ist. Das Übergreifen in ein Stadtklima oder in eine Stadtphilosophie ist nicht vorhanden und da helfen uns ein ZKM, ein Staatstheater, die Vereine in Karlsruhe oder die sogenannten Kulturträger nicht weiter. Es gibt viele kritische und informierte Menschen in Karlsruhe, die sehr genau wissen, was eigentlich auf der Welt, in der Kunst und Musik passiert, aber davon ist wenig zu sehen. Mit den verschiedenen Universitäten und vielen Studenten ist ein großes Potenzial da, mit welchem man wesentlich mehr und mit Sicherheit  auch günstigeres machen könnte, als die Hochglanzverkaufstour, die hier passiert und überall gleich ist.

raumK: Aber auf einer Veranstaltung wie den Europäischen Kulturtagen sieht man ja leider fast keine Kinder und Jugendlichen. Welche Themen müsste man wählen um eben auch die Jugendlichen mit ins Boot zu holen?
 
Vogt: Man muss die Leute einbinden, sie ernst nehmen und vor allen Dingen muss diese Sprachlosigkeit zwischen den Generationen vorbei sein. Ich erlebe immer wieder, das kaum noch Austausch stattfindet und gerade in der kreativen Szene ist sowas wichtig und da kann der Junge vom Alten so viel lernen wie umgekehrt. Man kann nicht mit 40 oder 50, und die Entscheider in dieser Stadt haben in der Regel dieses Alter, nicht so am Ball sein und in Karlsruhe sind sie es in der Tat nicht.

raumK: Die Karlsruher Oberbürgermeisterwahlen stehen vor der Tür. Wie sehen Sie die Entwicklung der Kulturszene in Abhängigkeit vom Ausgang der Wahl?

Vogt: In Karlsruhe ist es ja Kultur wenn ein neues KSC Stadion gebaut wird. Also da sind ja wohl alle dafür. In Karlsruhe hat sich diese Art zu arbeiten eingebrannt und ich halte es für eher unwahrscheinlich das sich da mit einem anderen Oberbürgermeister was ändern wird.

raumK: Nach welchen Kriterien bewerten sie Kunst und Kultur bzw. welche Intension sollten sie haben?

Vogt: Sie sollte überraschen. Also wenn ich morgens im Auto, mittags beim Kaffee und abends in der Diskothek den gleichen Titel höre und das eigentlich nur so ein Brei ist, für den ich dann auch noch permanent mit allen möglichen Abgaben wie GEZ und GEMA bezahlen muss, dann kotzt mich das an. Ich habe jetzt wirklich keinen abstrusen Musikgeschmack, sondern ich höre einfach gut gemachte Musik und da ist mir die Richtung völlig schnuppe und mir ist es völlig unwichtig ob der Künstler 40 Jahre im Geschäft ist, denn für mich stehen junge Inhalte im Vordergrund. Und weil es das nicht gibt, weil man es vielleicht nicht erkennt, muss man halt ein Klima erzeugen, das diese Leute rauskommen. Und es gibt sie ja, ich habe diese Leute. Und dann muss man halt auch so konsequent sein und Schluss mit iPhone-Musik und Laptop-DJs machen und wieder mehr in Richtung Musiker gehen.


raumK: Was können wir programmtechnisch in Zukunft im DOM erwarten?

Vogt: Das Programm im Dom ist so gut wie die Leute, die hier was machen wollen. Aber das ist in der Kunst generell so, das sie immer nur so gut ist, wie die Gesellschaft es zu lässt das junge Leute Flächen bekommen.

raumK: Vielen Dank für das Gespräch. (bk/tm)

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