Kulturpate e.V. raumK


Home
E-Paper
Presse
Aktionen/Themen
Rund um die Kunst
Rund um die Musik
Rund ums Theater
Rund um die Literatur
Rund um den Film
Ausstellungen
Kleinkunst
CD-Besprechung
Buchbesprechung
Filmbesprechungen
Internetrezensionen
Interviews
Portr?ts
Art Edition
Poesie
Gastro Tipps
Messen
Art & Business
Wellness & Gesundheit
Web Links
?ber uns
Mitarbeiter
Referenzen
Partner
Mediadaten
Jobs
Praktika
raumK-Treff
Abonnement
UNDING des Monats
Newsletter abonnieren!
Name

E-Mail Adresse
Abonnieren
Abbestellen

Home
Interview mit Peter Pretsch, Leiter des Karlsruher Stadtmuseums Drucken E-Mail

Dr. Peter Pretsch ist Leiter des Karlsruher Stadtmuseums im Prinz-Max-Palais. Außerdem ist er Autor zahlreicher Bücher und Kataloge zum Thema Karlsruher Stadtgeschichte und historische Persönlichkeiten aus Karlsruhe. Neben der Dauerausstellung, in der fast 300Jahre Karlsruher Geschichte nachempfunden werden können, werden wechselnde Sonderausstellungen gezeigt. Interessierte Besucher können an den regelmäßig stattfindenden Führungen teilnehmen.

raumK: Herr Dr. Pretsch, Sie sind Leiter des Karlsruher Stadtmuseums und außerdem Autor zahlreicher Bücher rund um Karlsruhe. Woher kommt diese Verbundenheit mit der Stadt und Ihr scheinbar unerschöpfliches Interesse an ihrer Geschichte?

Pretsch: Für Geschichte und Kunstgeschichte habe ich mich schon als Schüler interessiert und
daher ein entsprechendes Studium aufgenommen. In Karlsruhe bin ich aufgewachsen,
hier zur Schule gegangen und habe hier studiert. Insofern ist mir die Stadt von Jugend an vertraut und es war dann kein großer Schritt, mich auch mit ihrer Geschichte zu befassen. Beruflich habe ich seit über drei Jahrzehnten im Rahmen meiner Tätigkeit im Kulturbereich
bei Stadtarchiv & Historischen Museen damit zu tun. Ich kann dabei nicht verleugnen, dass mir diese Arbeit großen Spaß macht, gibt es doch immer wieder bei Recherchen für Ausstellungen und Publikationen auch Neues zu entdecken und dem
Publikum zu vermitteln.

raumK: Unter anderem haben Sie an Büchern über den Karlsruher Fotografen Wilhelm Kratt und den Hofgärtner und Afrikareisenden Christian Thran mitgewirkt.
Welche all der historischen Persönlichkeiten mit denen Sie sich befasst haben hat Sie am meisten beeindruckt?/ Welche hat Karlsruhe am meisten geprägt?

Pretsch: Da ich über meine Frau eine persönliche Beziehung zu Afrika habe und auch gerne dorthin reise, hat mich der Lebenslauf des Hofgärtners Thran, den der Stadtgründer nach Nordafrika geschickt hatte, um seltene Pflanzen für seinen Botanischen Garten zu besorgen, besonders fasziniert. Außerdem konnten wir erstmals dessen Leben ausführlich beleuchten, über das bis dahin wenig bekannt war. Einfluss hatte Thran auf die Gartengestaltung des 18. Jahrhunderts, einige Pflanzen kommen heute noch im Botanischen Garten vor. Geprägt hat die Stadt aus historischer Sicht aber sicherlich vor allem der Stadtbaumeister Friedrich Weinbrenner mit seiner Anlage des Marktplatzes, der via triumphalis der Karl-Friedrich-Straße und seinen klassizistischen Bauten in Karlsruhe. Dazu gibt es übrigens ein historisches Stadtmodell im Stadtmuseum, das mit einer Computeranimation versehen ist und das Bauschaffen Weinbrenners in Karlsruhe sehr gut veranschaulicht.
 
raumK: 2011-2012 zeigten Sie die Sonderausstellung ?Carl Benz und Carlsruhe? und veröffentlichten begleitend dazu ein gleichnamiges Buch. Carl Benz ist ja im heutigen Karlsruher Stadtteil Mühlburg geboren. Kann also Karlsruhe die Erfindung des Automobils eigentlich für sich beanspruchen?

Pretsch: Wie der Zweiraderfinder Karl Drais ist Carl Benz auf heutigem Karlsruher Territorium geboren. Sie sind daher beide Söhne der Stadt und können hier entsprechend  gefeiert werden, auch wenn beide ihre Erfindung in Mannheim konstruiert haben. Es können sich dabei die Städte Karlsruhe und Mannheim ihrer Erfinder rühmen, ohne sich Konkurrenz zu machen. Es herrscht momentan da auch freundliches Einvernehmen zwischen den Städten. Bei Drais kommt hinzu, dass er seinen letzten Lebensabschnitt in Karlsruhe verbracht hat und hier auch seine legendäre Laufmaschine vorführte. Benz hat immerhin an der hiesigen TH, dem heutigen KIT, Maschinenbau studiert und damit die Grundlagen für seine spätere Erfindung in Karlsruhe gelegt. Die Aufsehen erregende erste Fernfahrt mit dem Automobil, die Bertha Benz 1886 mit ihren beiden Söhnen ohne Wissen ihres Mannes von Mannheim nach Pforzheim unternahm, führte auch durch den heutigen Karlsruher Stadtteil Grötzingen. Und 1898 gründete Ernst Schoemperlen in Karlsruhe das vermutlich erste Autohaus der Welt. Ich denke, Karlsruhe hat auch genug Gründe, um an die Erfindung des Automobils zu erinnern und das wurde und wird nicht nur von der Stadt betrieben sondern auch von Vereinen, Museen und Schulen. 

raumK: Als Leiter des Stadtmuseums machen Sie selbst oft Führungen und Veranstaltungen zu den jeweils aktuellen Ausstellungen. Beobachten Sie eher, dass das Interesse der Karlsruhe an der Geschichte ihrer Stadt zu - oder abnimmt? Oder kommen sogar viele Besucher von außerhalb?

Pretsch: Das Interesse der Besucherinnen und Besucher des Stadtmuseums an der Geschichte ihrer Stadt ist nach wie vor enorm. Das haben wir gerade bei der eben zu Ende gegangenen Sonderausstellung über das Dörfle bemerkt. Aber auch die Führungen in der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte sind gut besucht. Unser Hauptklientel sind dabei die Karlsruherinnen und Karlsruher, die hier wohnen oder früher einmal hier gewohnt haben. Schulklassen kommen auch von außerhalb. Touristen kommen vereinzelt ins Museum, um die Stadt kennen zu lernen. Hier stehen aber manchmal die großen Institutionen wie das ZKM oder das Badische Landesmuseum im Schloss im Vordergrund. Neue Besuchergruppen erschließen wir derzeit, indem wir verstärkt Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche anbieten oder z. B. in Kooperation mit der Volkshochschule mit Integrationskursen Karlsruherinnen und Karlsruher mit Migrationshintergrund für das Stadtmuseum interessieren. Wir sind zwar das einzige Museum in Karlsruhe, dass sich kontinuierlich und umfassend mit der Geschichte der Stadt befasst. Bei dem vielfältigen kulturellen Angebot in Karlsruhe muss sich das Stadtmuseum aber immer etwas Attraktives einfallen lassen und neue Fragestellungen aufgreifen, um sich hier zu behaupten.

raumK: Im Terminkalender für 2013 finden sich auch Veranstaltungen wie ?Vom Stadtfächer zum Citypark? und ?Vom Gymnasium illustre zum KIT?. Wollen Sie in Zukunft mehr Wert auf die jüngere Stadtgeschichte legen? Oder ist es Ihnen einfach wichtig, einen aktuellen Bezug zur Geschichte herzustellen?

Pretsch: Die von Ihnen genannten Themen gehören zu den Schwerpunkten, die wir im Kollegenkreis für die Neukonzeption des Stadtmuseums erarbeitet haben. Diese werden
derzeit in fünf digitalen Säulen der Stadtgeschichte dargestellt, die in der Dauerausstellung stehen und interaktiv bedient werden können. Unsere Besucherinnen und Besucher haben dabei die Möglichkeit, selbst Vorschläge zu diesen Themenkomplexen oder zu Exponaten zu machen. Über diese Bürgerbeteiligung wollen wir auch eine höhere Identifikation der Karlsruher Bevölkerung mit ?ihrem? Stadtmuseum erreichen. Künftig will sich das Stadtmuseum nicht nur mit der Vergangenheit befassen, sondern sich verstärkt auch für Zukunftsfragen öffnen und dafür ein Forum sein. Theodor Heuß hat einmal gesagt, dass nur wer weiß, woher er kommt, auch weiß, wohin er geht. Dafür und für die Neukonzeption des Stadtmuseums wäre aber mehr Platz im jetzigen Gebäude oder in einem anderen Gebäude in attraktiver Innenstadtlage notwendig.  

raumK: Auf der Webseite des Stadtmuseums steht, dass dort die multimedialen Angebote kontinuierlich ausgebaut werden bzw. neue dazu kommen sollen. Gibt es zurzeit ein konkretes Projekt in diese Richtung?

Pretsch: Das digitale Museum, das filmisch und mit Interviews bisher neunzehn Geschäfte, Firmen und Einrichtungen in Karlsruhe dokumentiert hat, die geschlossen oder ganz abgerissen
wurden, wird derzeit weitergeführt und soll in einer neuen Präsentationsform in Bälde
dem Publikum im Stadtmuseum und im Pfinzgaumuseum wieder zugänglich gemacht werden. Zu den neuen Projekten gehören dabei der Hutladen Gruber in der Südstadt,
der alte Standort der Spedition SWS und Spielwaren Doering.
Mit der Hochschule Karlsruhe. Technik und Wirtschaft haben wir die Erstellung eines
virtuellen Rundgangs durch die Innenstadt im Jahr 1834 in Gegenüberstellung zur
heutigen Situation vereinbart. Ausgewählte Exponate des Stadtmuseums sind auf unserer
Internetseite unter der Rubrik ?Objekt des Monats? und im Portal ?Museum digital:
Baden-Württemberg? zu finden. Ein virtueller Rundgang, den man auf den Lebensspuren von Carl Benz in Karlsruhe mit dem Smartphone unternehmen kann, ist in Planung. 

raumK: Gibt es noch ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt und das Sie den Menschen näher bringen wollen? Was wird das Thema der nächsten Sonderausstellung sein?

Pretsch: Ähnlich wie 2011 ?125 Jahre Automobil? könnten wir 2017 ?200 Jahre Zweirad? feiern und den Erfinder Karl Drais in einer Sonderausstellung würdigen. Damit würde ich mich gerne befassen. Daneben sollten wir den Menschen tatsächlich einmal nahe bringen, in welchen Verhältnissen Kinder und Jugendliche in Karlsruhe in vergangenen Zeiten gelebt haben und aufgewachsen sind. Bis zum Stadtjubiläum haben wir aber schon ein festes Programm. Ab April diesen Jahres widmen wir uns dem Schicksal und dem Lebensweg des Karlsruhers Emil Behr, der als Jude nach Auschwitz deportiert wurde, das Vernichtungslager aber überlebte und nach Karlsruhe zurückkehrte, in einer Ausstellung in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt. Ab Mitte Juli des Jahres zeigen wir
in Kooperation mit dem Stadtplanungsamt die Ausstellung ?Die Stadt neu sehen - Zehn Fragen an Karlsruhe?, die die städtebauliche Zukunft von Karlsruhe in Anknüpfung an die historische Entwicklung in den Focus nehmen wird, ein Projekt, das auch unseren vorhin geschilderten Intentionen entspricht. 2014 wird es aus gegebenem Anlass eine große Ausstellung über ?Karlsruhe im Ersten Weltkrieg? geben und 2015 präsentieren wir zum Stadtjubiläum ?Karlsruhe als Residenzstadt?. Danach hoffen wir, eine neue Dauerausstellung erarbeiten zu können und dafür dann auch entsprechende mit moderner Museumstechnik ausgestattete Räumlichkeiten zu bekommen. (jb/tm)

Foto:  ONUK

Ausgabe Nr.120/2013

< zurück   weiter >

einfach.alles.finden

Kunstraum Neureut

RAUMK - KULTURZEITUNG FÜR KARLSRUHE und REGION
Monatlich & Kostenfrei