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Home arrow Buchbesprechung arrow Jürgen Partenheimer: "Copan - Sao Paulo Tagebuch"
Jürgen Partenheimer: "Copan - Sao Paulo Tagebuch" Drucken E-Mail

Sao Paulo, Brasilien, im März 2005 - ein Appartement, ein Blick aus dem Fenster, eine überquellende, pulsierende Stadt, ein Künstler, sein Werk und ein Tagebuch - Aufzeichnungen eines Mannes, dessen Name kein unbekannter ist. Jürgen Partenheimer, Maler, Bildhauer und Zeichner gibt seinem Tagebuch den Titel `Copan´, der Name eines vom Architekten Niemeyer entworfenen Gebäudekomplexes im Herzen Sao Paulos.
Als Artist in Residence verbrachte Partenheimer zeichnend und schreibend einen Monat in der südamerikanischen Metropole. Seine hier entstandenen und als Buch veröffentlichten Aufzeichnungen geben einen tiefen Einblick nicht nur in die Entstehung seiner Bilder, sondern vor allem in die Gedanken- und Gefühlswelt des Kunstschaffenden, die stark vom beklemmenden Eindruck der Stadt und des Gebäudes geprägt sind.
Dem anfänglich äußerst beschränkten Blick durch das Fenster seines Appartements, das einem Sehschlitz gleicht, schließen sich heftige Eindrücke der bedrohlich wirkenden Großstadt mit ihrem pulsierenden, geräuschvollen Leben an. Das Buch gibt sehr eindrucksvoll den Weg des Künstlers vom ersten Eindruck des Gesehenen bis zur Entstehung seiner Bilder wieder. Es schildert drastisch die mitunter abschreckende Konfrontation des Malers mit der äußeren Welt, die Wirkung des Erlebten, seine innere Auseinandersetzung mit allen Zweifeln, Widersprüchen, Hemmnissen und Blockaden. Besonders seine philosophischen Betrachtungen und  existenzialistischen Gedanken zeigen den Widerstreit des Geistes und der Gefühle mit der erlebten Wirklichkeit. Partenheimers Tagebuch ermöglicht dem Leser die Betrachtung der Welt aus dem Blickwinkel des Künstlers, gewährt einen aufschlussreichen Einblick in seine Gedankenwelt und stellt die Fähigkeit dar, bloße Wahrnehmung in sichtbare Darstellung umzusetzen. Es ist die in Sprache ausgedrückte Auseinandersetzung mit Raum, Zeit und Geschehen.
Ein Maler, der seine Gedanken im Prozess des Schaffens zu Papier bringt - ein etwas anderer Ansatz, ein ungewöhnliches Buch, in jedem Fall ein außergewöhnliches Dokument und eine Möglichkeit, sich den Bildern Partenheimers zu nähern, bei denen es sich weniger um eigentliche Porträts der Stadt `Sao Paulo´ handelt als vielmehr um ein Porträt der Gefühle, die sie in ihm hervorgerufen hat. Copan, ein sehr ausdrucksstarkes Buch, wortgewaltig und überströmend, unverzichtbar in jedem Fall für Anhänger des Ausnahmekünstlers Jürgen Partenheimer und eine gute Ergänzung zur Ausstellung, die momentan in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen ist.


Buchempfehlung von Sylvia Mutter

Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, ISBN 3-925212-65-5,erhältlich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Euro 15,--

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