Kulturpate e.V. raumK


Home
E-Paper
Presse
Aktionen/Themen
Rund um die Kunst
Rund um die Musik
Rund ums Theater
Rund um die Literatur
Rund um den Film
Ausstellungen
Kleinkunst
CD-Besprechung
Buchbesprechung
Filmbesprechungen
Internetrezensionen
Interviews
Portr?ts
Art Edition
Poesie
Gastro Tipps
Messen
Art & Business
Wellness & Gesundheit
Web Links
?ber uns
Mitarbeiter
Referenzen
Partner
Mediadaten
Jobs
Praktika
raumK-Treff
Abonnement
UNDING des Monats
Newsletter abonnieren!
Name

E-Mail Adresse
Abonnieren
Abbestellen

Home arrow Interviews arrow Thomas Munz, Geschäftsführer der "Badisch Bühn"
Thomas Munz, Geschäftsführer der "Badisch Bühn" Drucken E-Mail

Thomas Munz wurde 1957 in Karlsruhe - genauer in "Dorlach" - geboren und blieb bis zum heutigen Tag, wenn auch in verschiedenen Stadtteilen wohnend, Karlsruhe treu. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann entdeckte durch eine Statistenrolle am Badischen Staatstheater und durch die Schauspielerei bei der "Brigandebühn" seine Liebe zu den Brettern, die die Welt bedeuten. 1981 gehörte der verheiratete Vater zweier Töchter zu den Gründungsmitgliedern der "Badisch Bühn", die er 1999, nach dem plötzlichen Ableben des Gründungsvaters "Schupi", als Geschäftsführer, zusammen mit dem künstlerischen Leiter Jürgen Hörner, übernahm. Hauptberuflich ist Thomas Munz als Prokurist im Baustoffhandel tätig, seit 2001 organisiert und verwaltet er die Belange des Volkstheaters. Obendrein spielt er selbst bei der "Badisch Bühn", aktuell ist er als  Pedant "Erich Kleinschmid" in "Die Pfann war sei Schiggsal" zu sehen.

raumK: Herr Munz, Sie führen das Volkstheater "Badisch Bühn" nun seit 1999 und spielen auch selbst. Welche Rolle spielen die Geschäftsführung des Volkstheaters und das Theaterspielen für Sie?

Munz: Das Theaterspiel ist für mich eher ein Hobby. Um ehrlich zu sein: Ich hätte nie daran gedacht dieses Theater zu übernehmen und zu führen. Im nächsten Jahr feiert die "Badisch Bühn" ihr 25jähriges Jubiläum. Gegründet wurde sie von meinem Freund "Schupi" (Peter Schuster) und zehn weiteren Kompagnons. Zunächst hatte die "Badisch Bühn" ihre Spielstätte im "Grünen Baum" in Rüppurr. Nachdem die Brauerei Moninger dieses Objekt veräußerte, kaufte die Grünwinkler Unternehmerfamilie Schuster die heutige Lokalität in der Durmersheimerstraße und ergänzte das Volkstheater durch den Restaurant- und Hotelbetrieb. "Schupi" personifizierte und lebte dieses Theater, verstarb allerdings überraschend im April 1999. Der Theater- und Hotelbetrieb, der von Peter Schuster - alias "Schupi" - betrieben wurde, war zu diesem Zeitpunkt in einer sehr prekären finanziellen Lage. Da es ein Teil meines Hauptberufes ist schwierige Betriebe wieder aufzubauen - oder auch zu schließen - übernahm ich, nach Rücksprache mit meinem Arbeitgeber und Frau Schuster, die Geschäftsführung der "Badisch Bühn". Von April bis Ende Dezember 1999 habe ich folglich die Zeit damit verbracht, die "Badisch Bühn", also sowohl das Theater als auch die damalige Schupi-GmbH mit dem Hotelbetrieb, zu entschulden. Parallel suchte ich einen Pächter für den Restaurantbetrieb, denn mit dem Theater hatte ich genug zu tun. Am 1. Januar 2000 war dann endlich ein Pächter, die Familie Bleich, gefunden.
Seit 2001 leite ich die Bühne, da ich alleiniger Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH "Badisch Bühn" bin. Wobei dies für mich keinerlei finanzielle Vorteile bedeutet.

raumK: Haben Sie zu diesem Zeitpunkt von Seiten der Stadt Karlsruhe Hilfe erfahren? Und wenn ja, auf welche Weise?

Munz: Wir haben Hilfe bekommen, allerdings nicht in Form von finanzieller, sondern von moralischer Unterstützung. Mit viel Geld ist da nicht zu rechnen. Meine guten Kontakte zu einflussreichen Karlsruhern aus Politik und Wirtschaft haben dazu beigetragen, dass die Stadt und auch die jeweiligen Kreditinstitute bei der Entschuldung der "Badisch Bühn" "still gehalten" haben und ich somit in Ruhe den drohenden Konkurs abwehren konnte. Würde ich nun sagen, dass ich keine Hilfe erhalten habe, wäre es nicht fair. Die Vertreter der Stadt Karlsruhe sagten mir, dass ich zunächst einmal schauen sollte wie ich mit der Situation klar käme, denn sie fänden es toll, dass das einzige Mundart-Volkstheater in Karlsruhe erhalten bleiben sollte. Sie boten mir jede erdenkliche Unterstützung, allerdings könnte ich erst mit finanzieller Hilfe rechnen, wenn alles zusammen bräche. Und wir haben gezeigt, dass wir es alleine schaffen.

raumK: Und wie sieht die Unterstützung durch die Stadt Karlsruhe zum jetzigen Zeitpunkt aus?

Munz: Wir werden von der Stadt Karlsruhe mit einer extrem kleinen finanziellen Förderung bedacht. Allerdings sind wir darauf auch stolz, denn wir haben das Theater selbst gerettet und können nun arbeiten und entscheiden wie wir es wollen. Ich persönlich kann von mir sagen, dass ich von niemandem abhängig bin und das ist für mich das Wichtigste. Unser Etat beläuft sich insgesamt auf rund 200.000 Euro und diesen tragen und stemmen wir auch, so dass wir unsere Bilanz jedes Jahr entweder mit einer roten oder einer schwarzen Null abschließen können.

raumK: Wie beurteilen Sie die Subventionen für die "Badisch Bühn" im Vergleich zu anderen Theatern in Karlsruhe?
(Anmerkung der Redaktion: Auszug aus dem Haushaltsplan 2005-2006 der Stadt Karlsruhe: Kammertheater: 415.280 Euro, Sandkorn-Theater: 238.750 Euro, marotte-Figurentheater: 77.250 Euro, Badisch Bühn: 12.050 Euro, jeweils für das Jahr 2006)

Munz: Wir bekommen definitiv mit am wenigsten von allen Karlsruher Theatern. Dennoch bin ich nicht neidisch oder ärgerlich darüber, da es mir wichtig ist, dass ich selbst entscheiden kann und unabhängig bin. Im nächsten Jahr, unserem Jubiläumsjahr, werden wir weitere Fördergelder erhalten. Außerdem gibt es noch einen Förderverein, von dem wir alle zwei Jahre, rund 5.000 Euro erhalten.
Dennoch will ich nicht am Tropf irgendeines Mäzens hängen. Unsere Leute kennen die finanzielle Situation des Theaters und wenn ein Jahr mit einer roten Null beendet wurde, dann haben sie kein Problem damit, dass die Weihnachtsfeier ein wenig bescheidener ausfällt.

raumK: Wie stehen Sie grundsätzlich, gerade als Kaufmann, zur Subvention von Kultureinrichtungen? Gerade auch als Kaufmann?

Munz: Würde ich aus meiner kaufmännischen, nüchternen Sicht heraus urteilen, kann ich die Meinung vieler Kulturschaffenden überhaupt nicht teilen. Häufig wird das Geld für "Versuche" zur künstlerischen Entfaltung mit vollen Händen hinaus geworfen und wenn die finanziellen Mittel fehlen, dann liegen sie der Stadt oder dem Staat auf der Tasche. Aber man darf dieses Thema nicht pauschalisieren. Wir brauchen Theater und ohne Profischauspieler können viele Bühnen nicht existieren. Allerdings frage auch ich mich, mit meiner kaufmännischen Denke, ob mancher "Palast" als Spielstätte wirklich nötig ist. Dass sich einige Theater solch pompöse Lokalitäten nicht leisten, geschweige denn halten könnten, liegt auf der Hand. Insbesondere wenn sich dazu noch manche Theaterleiter auf Kosten der Stadt selbst verwirklichen und die subventionierten Gelder zweckentfremdet und eigennützig hinaus werfen, wohingegen die Schauspieler nur geringfügig oder überhaupt nicht entlohnt werden, da platzt mir der Kragen. Die Darsteller der "Badisch Bühn" werden alle auf 400 Euro-Basis für ihren Aufwand entschädigt.
Dennoch sehen wir die anderen Karlsruher Theater nicht als Konkurrenten, denn wir decken eine Nische ab, die nicht mit anderen Bühnen in Konflikt kommt. Unser Publikum ist uns als Mundart-Volkstheater treu und besucht genauso andere Schauspielhäuser und so ist es auch umgekehrt der Fall.

raumK: Worauf basiert Ihrer Meinung nach der Erfolg der "Badisch Bühn"?

Munz: Wir sind ein Volkstheater, spielen in Karlsruher Mundart und unsere Schauspieler sind Amateurdarsteller mit professionellem Anspruch. Unser Publikum schätzt gerade die Natürlichkeit unserer Darstellungen, im Gegensatz zu professionellem Theaterspiel. Die Besucher der "Badisch Bühn" haben den Eindruck, dass sie bei unseren Stücken in das Wohnzimmer des Nachbarn schauen. Sie können sich wieder erkennen oder möchten manchmal auch gerne so sein wie die dargestellten Figuren. Diese Natürlichkeit und der Wiedererkennungseffekt machen meiner Meinung nach den Erfolg der "Badisch Bühn" aus.

raumK: Sie sind durch eine Statistenrolle am Badischen Staatstheater zum Theater gekommen. Haben Sie dort die Liebe zur Schauspielerei entdeckt?

Munz: Zunächst waren die Statistenrollen nur Mittel zum Zweck. Das Geld hat den Ausschlag gegeben. Aber auf Dauer hätten mich die Statistenrollen gelangweilt. Daher habe ich auch bei den SchlossFestSpielen Ettlingen und später bei der "Briganden Bühne" gespielt, das hat dann meine Liebe zur Schauspielerei entfacht.

raumK: Wie geht es nach der Sommerpause weiter bei der "Badisch Bühn"? Auf welche Stücke können sich die Zuschauer freuen?

Munz: Nach der Sommerpause geht es zunächst weiter mit dem Stück "Die Pfann war sei Schiggsal" von Erich Koch, das Anfang Juni Premiere hatte. Die Theatersaison geht üblicherweise von September bis Juli, allerdings haben wir mit unserem Konzept, im Juni ein neues Stück aufzuführen, gute Erfahrungen gemacht, gerade bezüglich der Zuschauerzahlen in den Sommermonaten Juni und Juli. Im Oktober werden wir die Volkskomödie "Numme net uffrege" und im November den Klassiker "Des bissle Haushalt" spielen. Ab Januar beginnen wir mit den Proben für unser Jubliäumsstück, das momentan allerdings noch nicht fest steht.

raumK: Wie wählen Sie die Stücke aus, die auf den Spielplan kommen? Schreiben Sie diese selbst oder haben Sie spezielle Mundart-Autoren?

Munz: Es gibt einige Autoren, die auf uns zukommen und für uns Stücke schreiben, wie beispielsweise Erich Koch. Häufig entscheidet auch die Besetzungsliste über die Spielbarkeit der Stücke. Können wir die Inszenierung nicht mit unseren Stammschauspielern realisieren, so lassen wir die Finger davon.
In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt den künstlerischen Leiter der "Badisch Bühn", Jürgen Hörner, in den Vordergrund stellen. Er ist ausgebildeter Schauspieler und ein wahres Multitalent. Er führt Regie, wählt die Stücke aus und schreibt auch selbst. Außerdem bearbeitet er alle Stücke, schreibt sie in Mundart um, übernimmt die Probenterminierung und die Besetzung und spielt auch noch selbst.

raumK: Wie sehen Sie die Zukunft der "Badisch Bühn"? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Munz: An erster Stelle steht, dass wir das Theater und unser bis jetzt erreichtes schauspielerisches Niveau weiter stabil halten können. Wir spielen immer freitags und samstags, in den Wintermonaten - November und Dezember - auch am Donnerstag. Da alle Schauspieler der "Badisch Bühn" nur nebenberuflich Theater spielen, können und wollen wir keine weiteren Spieltage einplanen. Momentan haben wir, bei einer Bestuhlung des Saals von 200 Plätzen, eine durchschnittliche Auslastung von 160 Plätzen, bei ca. 100 Spieltagen. Dies gilt es auch in den Folgejahren erneut zu erreichen und sogar zu erhöhen. In der Regel müssen wir es nur schaffen, dass die Menschen ein einziges Mal zu uns kommen, denn wieder kommen werden sie dann von ganz alleine.

raumK: Herr Munz wir danken Ihnen für das Gespräch.

tm/dr

d’ Badisch Bühn Volkstheater GmbH, Durmersheimer Str. 6, Karlsruhe
Weitere Infos und Kartenvorbestellung unter Telefon 07 21/55 25 00

Fotos : Wolfgang Güse


< zurück   weiter >

einfach.alles.finden

Kunstraum Neureut

RAUMK - KULTURZEITUNG FÜR KARLSRUHE und REGION
Monatlich & Kostenfrei