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Martin Gommel, Fotograf Drucken E-Mail

The mystery and beauty of Karlsruhe


Martin Gommel - Fotos, Kunst und Leidenschaft

"Gelegenheit macht Kunst" - so könnte man auf einen Nenner bringen, was Martin Gommel zur Fotografie brachte. Die mehr oder weniger zufällige Begegnung mit einer Digicam, ein geeignetes Motiv und der passende Augenblick - das war die Initialzündung für den jungen Karlsruher Fotografen, der seitdem immer und überall auf der Jagd nach Bildern ist - in und um Karlsruhe, versteht sich. Das Spannende daran ist seine Fähigkeit, das Geheimnis und die Schönheit dieser Stadt und ihrer Menschen auf sehr eindrucksvolle Weise darzustellen.
Seit der ersten Begegnung mit dem Medium Fotografie und einer Canon 350 D im Jahr 2005 ist er begeistert von der Idee, die einzigartige Atmosphäre des Augenblicks einzufangen, Momentaufnahmen lebendig werden zu lassen, mit jedem Bild eine Botschaft zu transportieren. Entgegen jeder Skepsis, die ihm vonseiten erfahrener Fotografen entgegenschlug, ist das, was der Anfänger in diesem Metier vorzuweisen hat, beeindruckend. Die Bilder, die in der kurzen Zeit, die er als freier Fotograf tätig ist, entstanden sind, zeigen deutlich, dass sich der Begriff `Kunst´ vom Wort `können´ ableitet. Es sind Momentaufnahmen, Schlaglichter, die mehr als die bloße Wiedergabe vergänglicher Augenblicke sind. Martin Gommel hat den Blick fürs Wesentliche, für das Schöne, aber auch das Melancholische, das Ernüchternde dieser Welt, für die kleinen, aber nicht unwesentlichen Details, die sich hinter dem Offensichtlichen verbergen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er jede freie Minute seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht: `Den Moment, in dem ich nicht fotografieren mag, gibt es nicht. Es gehört mit zum Schönsten, was es gibt.´
Aufnahmen in der Natur bilden den Schwerpunkt des Künstlers, wobei er Karlsruhe als geeigneten Bereich für die Motivsuche entdeckt hat, ob auf nächtlichen Streifzügen am Rheinufer oder tagsüber in den wunderschönen Naturlandschaften der Umgebung, wo eine überbordende Zahl an Motiven auf ihn wartet. So ist denn auch der Name seiner Homepage Programm. Unter `www.kwerfeldein.de´ stellt er seine Bilder in einem Photoblog ins Netz, freut sich über jede Art von Kommunikation, Infos, Tipps und hin und wieder auch einen kritischen Blick von Gleichgesinnten. Hier findet man zudem Hintergrundinformationen und Kommentare zu den Werken, manch tiefgründigen Gedanken, aber auch sehr persönliche Bemerkungen des Künstlers zum eigenen Schaffen.
Bei der Fotografie leiten ihn zwei Motive, zwei unterschiedliche Vorgehensweisen, um ein Foto anzugehen. Er versucht zum einen, ein bestimmtes Bild, das er im Kopf hat, vor Ort umzusetzen, sich andererseits völlig von der Impression des Gesehenen leiten zu lassen. Optimal ist für Gommel eine Kombination aus beidem - `mit einer ungefähren gedanklichen Vorstellung einfach loslegen, mit offenen Augen durch die Welt gehen, bereit sein und den richtigen Moment abpassen´. Wichtig ist dem Künstler, dass seine Bilder Emotionen wecken, Reaktionen beim Betrachter auslösen, die ganz unterschiedlich sein können, von Wohlbefinden bis hin zu Neugier und auch mal ein Stirnrunzeln. Sein Wunsch ist, ein Déjà -vu-Erlebnis hervorzurufen, Menschen dazu zu bringen, sich beim aufmerksamen Betrachten der Umwelt an eines seiner Fotos zu erinnern, was ganz unbescheiden ein wenig an Bollnows Ansatz der `existenzialistischen Begegnung´ erinnern mag. Dabei sind die mitunter wenigen Sekunden, in denen das Bild entsteht, entscheidend. `Den speziellen Moment einzufangen, in dem etwas ganz Einmaliges geschieht´, ist für Martin Gommel höchst spannend. `In diesem einen Moment wird alles andere ausgeblendet. Das Geheimnis liegt nur im Motiv selbst und der eigenen Wahrnehmung.´ Schließlich verbringt er viel Zeit mit der Nachbearbeitung der Fotos am Rechner. So gelingt es ihm, ein möglichst reales Bild und somit diese besondere Atmosphäre des Augenblicks entstehen zu lassen. Was durch die Aufnahmetechnik oftmals verfälscht wird, wird ausgeblendet.
Hin und wieder lässt der Künstler durch Mehrfachprojektion auch surreale Bilder entstehen, die recht verblüffend sind. Ein zweiter `Hingucker´ ist unvermeidlich - zuerst staunt der Betrachter, dann folgt der Aha-Effekt. So außergewöhnlich diese Fotos auch sein mögen, Martin Gommel drängt es nicht danach, um jeden Preis aufzufallen. Sein Standpunkt ist klar umrissen: `Natürlich, reißerische Nacktaufnahmen guckt jeder, aber das ist nicht meins. Die Liebe zum Surrealismus überzeugt den durchschnittlichen Betrachter nicht. Lieber ein reales Bild, auch wenn es fünfmal projiziert ist.´ In seinen Fotos vermittelt der 25-Jährige viel seines Menschenbildes und der eigenen Persönlichkeit. Sie decken die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle ab, Wut, Trauer, Frust ebenso wie Liebe, Lebensfreude, Ausgelassenheit und vermitteln dennoch ein ganzheitliches Bild. Ganz nebenbei gelingt es ihm nach eigener Aussage, mit dem Medium Fotografie Stress abzubauen, Frustration zu bewältigen. `Fotografieren regt zum Nachdenken an. Im Moment des Wahrnehmens und Abbildens wird alles andere ausgeblendet.´

Allgemein wird behauptet, Fotografie sei Illusion. Martin Gommel ist dies durchaus bewusst, begreift er die Entstehung eines Bildes jedoch als kreativen und positiven Prozess, in dem er Illusion projizieren und in reale, begreifbare Wahrnehmung umsetzen kann - Realität, die er wahrnimmt, schafft und für den Außenstehenden sichtbar werden lässt. Schließlich ist er der Meinung, dass hinter jedem Bild, vor allem bei Aufnahmen in der Natur etwas Größeres, Übergeordnetes in Form einer moralischen Instanz steht, die natürlich jeder anders interpretiert. Darin sieht der Künstler auch eine Chance für Jugendliche. Nicht nur in der Theorie, auch ganz praktisch setzt er die positive Energie, die in Kreativität steckt, um. Der ausgebildete Jugend- und Heimerzieher veranstaltet regelmäßig Fotoworkshops in Jugendeinrichtungen wie beispielsweise dem CVJM, um Jugendlichen eine etwas andere Form der Freizeitbeschäftigung aufzuzeigen.
Momentan lebt der Newcomer neben seinen Workshops von Auftragsarbeiten und Porträtaufnahmen, die vor allem draußen in der Natur entstehen. Sein langfristiges Ziel ist zum einen, als Landschaftsfotograf auf regionaler Ebene, später im Raum Baden-Württemberg zu arbeiten, zum anderen als Porträtfotograf, vor allem in der Kleinkindfotografie tätig zu sein. Zurzeit beschränkt er sich noch weitgehend auf die Veröffentlichung seiner Werke im Internet via Photoblog - obwohl das keineswegs lohnenswert ist. Er scheut das Medium nicht, steht es doch in krasser Opposition zum Establishment. Auch wenn kein Profit damit verbunden ist, sieht Gommel das Internet als komplexes Medium, das Nachwuchskünstlern Raum gibt, Netzwerke, Kommunikation und kreativen Austausch zu pflegen. Dass dies mitunter ein zäher Prozess ist, weiß der Nachwuchskünstler nur zu gut, denn auch das Einstellen unzähliger Fotos ist nicht unbedingt ein Garant für eine Reaktion, mag sie nun positiv oder kritisch sein. Aber die Frustrationsschwelle der Photoblogger ist nach eigener Aussage hoch - Weitermachen lautet die Devise! Natürlich ist es sehr viel spannender und zudem motivierend, wenn ein Kommentar, vielleicht sogar vom anderen Ende der Welt, kommt.
Bemerkenswert ist, dass hier eine Generation von Künstlern heranwächst, nach denen keiner gefragt hat, die auch keiner der `Etablierten´ wirklich wollte. Wertvolles ist am Entstehen, junge, spontane, unangepasste Künstler, für die Profit nicht an erster Stelle steht, entwickeln sich zu Profis. Die Kritik der anderen hilft einerseits, eigene Fähigkeiten weiterzuentwickeln, andererseits mit Kritik umzugehen. Der Austausch dient nicht zuletzt dazu, die Wahrnehmung für ein gutes Bild zu schärfen. Hier entsteht, ganz unbemerkt von Business und Marketing, eine Art `künstlerische Subkultur´ - eine längst überfällige, sehr couragierte und positive Entwicklung, vor allem in Karlsruhe! Es tut sich sehr viel hinter den Kulissen der streckenweise tatsächlich etwas angestaubten Karlsruher Kulturszene.
Nun, was die breite Masse nicht registriert, verdient es wirklich, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Internet-Shoppen und Chatten mag zwar ganz nett sein, wer aber wirklich klasse Fotos sehen will, sollte lieber hier hinschauen - es lohnt sich!

Autor: Sylvia Mutter

Martin Gommel, Blumentorstr. 12, Karlsruhe. Weitere Infos unter Telefon 01 72 / 3 63 71 38 oder www.kwerfeldein.de/photoblog bzw.

BN: Martin Gommel
BU FOTO1: "Glow"
BU FOTO2: Martin Gommel
BU FOTO3: "Dragon boy"
BU FOTO4: "A new way of thinking"


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