Kulturpate e.V. raumK


Home
E-Paper
Presse
Aktionen/Themen
Rund um die Kunst
Rund um die Musik
Rund ums Theater
Rund um die Literatur
Rund um den Film
Ausstellungen
Kleinkunst
CD-Besprechung
Buchbesprechung
Filmbesprechungen
Internetrezensionen
Interviews
Portr?ts
Art Edition
Poesie
Gastro Tipps
Messen
Art & Business
Wellness & Gesundheit
Web Links
?ber uns
Mitarbeiter
Referenzen
Partner
Mediadaten
Jobs
Praktika
raumK-Treff
Abonnement
UNDING des Monats
Newsletter abonnieren!
Name

E-Mail Adresse
Abonnieren
Abbestellen

Home arrow Interviews arrow Heidi Vogel-Reinsch, Leiterin des Karlsruher Kammertheaters
Heidi Vogel-Reinsch, Leiterin des Karlsruher Kammertheaters Drucken E-Mail

Die Frau, die stets Theater macht

Interview mit der Leiterin des Kammertheaters Karlsruhe

vogel-reinsch Das Kammertheater wurde 1956 von Wolfgang Reinsch gegründet und zog 1985 nach wechselnden Domizilen in der Wald- und der Friedenstraße an den Rondellplatz. Der Bau des ECE-Centers zwang das Theater dann dazu, am 27. April seine Pforten zu schließen. Inzwischen hat es im ehemaligen LZB-Gebäude in der Herrenstraße eine neue Heimat gefunden und eröffnet im Oktober seine Bühne dort neu. Wir sprachen mit der Leiterin des Kammertheaters.




raumK: Das Kammertheater ist zwischen Frankfurt und München die einzige Boulevardbühne. Und auch bei Ihrem Theater war das nicht die ursprüngliche Ausrichtung, sondern es wandelte sich im Laufe der Zeit dazu. Wie kam das?
H. V.-R.: Mit diesem Boulevardtheater wurde im Kulturleben der Stadt eine Lücke geschlossen. Wir haben vorwiegend ernste Stücke gespielt, klassische wie zeitgenössische, und dazu ein Mal pro Spielzeit eine Komödie. Dabei haben wir dann gemerkt, dass das sehr gut ankam und eine große Nachfrage nach Lustspielen herrschte, und so haben wir uns eben mal mit Boulevardtheater versucht und sind dann dabei geblieben. Damit hatten wir auch Erfolg, wobei wir allerdings immer darauf geachtet haben, einen künstlerischen Anspruch zu wahren und nicht bloßen Klamauk zu bringen.

raumK: Wie hat sich dieser Stilwechsel auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt?
H. V.-R.: Durchaus günstig. Wir hoffen allerdings die Sauregurkenzeit im Sommer noch etwas mehr ausfüllen zu können.

raumK: Wie geht es mit Ihrem Programm - nach dem Einzug in die neuen Räume und der Eröffnung - im Oktober weiter?
vogel-reinsch.jpg H. V.-R.: Wir werden weiterhin klassische Boulevardstücke spielen - zeitgenössische und zeitkritische - sowie Kabarett, sei es in Eigenproduktion oder als Gastspiele, und dazu auch musikalische Komödien machen. Und mein Wunsch ist es, genau umgekehrt wie früher, einmal im Jahr ein ernstes Stück zu spielen, das aber immer einen unterhaltendem Charakter haben soll. Wir wollen erwachsene Menschen nicht belehren, sondern wir wollen unterhalten - mit Stil, Format und künstlerischem Anspruch.

raumK: Wann findet die Eröffnung statt, und welches Stück wird gespielt?
H. V.-R.: Vom ersten bis dritten Oktober werden "Tag der offenen Tür" und Gastspiele stattfinden. Die feierliche Wiedereröffnung erfolgt dann am 6. Oktober. Gespielt wird "Der Raub der Sabinerinnen" in einer Bearbeitung von Curt Götz. Ich selbst werde darin den Theaterdirektor Striese und seine Frau spielen.

raumK: Sie sind ausgebildete Schauspielerin. Wo haben Sie Ihre Kunst gelernt?
H. V.-R.: Ich habe privat studiert und meine Schauspielprüfung in Stuttgart vor dem paritätischen Prüfungsausschuss abgelegt.

raumK: Und was genau beinhalten Ihre Aufgaben am Kammertheater?
H. V.-R.: Ich leite das Theater; mein Mann hat es gegründet, drei Jahre später kam ich dazu und seitdem arbeiten wir gemeinsam daran. Wir haben dafür verschiedene Räume aufgebaut, eigenhändig und ohne fremde Hilfe oder Zuschüsse. Seitdem spiele ich, führe Regie und habe jetzt zudem noch die Freude und die Last der Verantwortung bei der Direktion.

raumK: Stehen Sie noch in Verbindung mit Kurt Müller-Graf?
H. V.-R.: Natürlich, und ich hoffe, dass er wieder spielen wird. Wir hatten eine sehr angenehme Zusammenarbeit, und auch das Stück, in dem er spielte - ‚Gesegnetes Alter’ von Curth von Flatow - kam sehr gut an. Er wird übrigens unserer Eröffnung am 6.10. als Ehrengast beiwohnen.

raumK: Wir hatten in der raumK-Ausgabe vom 2003 ein sehr nettes Interview mit Müller-Graf.
H. V.-R.: Theater ist sein Leben, genau wie bei mir. Wir sind keine bloßen "Darstellungsbeamten" - wer nicht Theater macht mit dem Herzen, sollte es lassen.

raumK: Am 7. Juni wurde der "Förderverein des Kammertheaters" gegründet. Wie ist dieser entstanden und was ist seine Zielsetzung?
H. V.-R.: Es haben sich einige Leute zusammengetan, die dieses Theater schätzen und die wissen, dass es auch gerne andere Produktionen machen möchte, die es sich momentan einfach nicht leisten kann. So beschloss man einen Förderverein zu gründen, der uns zur Seite steht, wenn es um größere Produktionen geht, die ohne Zuschüsse nicht möglich sind. Frau Hannelore Kutzig hat die Initiative ergriffen und diesen Verein gegründet, der uns nun wirkliche sehr hilfreich zur Seite steht, wenn es um größere Produktionen geht, die mit den normalen Zuschüssen nicht finanzierbar wären.

raumK: Und wie finanziert sich das Kammertheater?
H. V.-R.: Einmal durch die Zuschüsse von Stadt und Land und eben aus den freien Besuchern; wir haben kein Abonnementsystem.

raumK: Stichwort Zuschüsse: Haben Sie sich nicht auch darüber geärgert, dass das Staatstheater 750.000 Euro mehr bekommen hat, während andere Kulturbetriebe in Karlsruhe zunehmend leer ausgehen?
H. V.-R.: Ärger wäre vielleicht das falsche Wort. Einerseits freue ich mich für die Kollegen vom Staatstheater, andererseits hätten wir uns auch über 100.000 Euro extra gefreut, die wir gut brauchen könnten. Aber es ist nicht so, dass wir neidisch wären.

raumK: Geiz ist geil in diesen Zeiten. Führt diese Einstellung nicht auch zu einem Rückgang bei den Theaterbesuchen?
H. V.-R.: Kann ich in unserem Fall nicht sagen; und ich glaube auch, je mehr Experimentiertheater es gibt - experimentelle Inszenierungen oder Verfremdungen im falsch verstandenen Brecht’schen Sinne - desto eher wollen die Menschen Wahrhaftigkeit und die wahre Seele des Theaters erfahren, das Gefühl haben, da stehen Menschen mit Leib und Seele auf der Bühne und geben alles.

raumK: Wie sehen Sie die Zukunft hier an der neuen Spielstätte? Was wird sich an dem neuen Theater - davon abgesehen, dass es 50 Sitzplätze mehr hat - ändern?
H. V.-R.: Meine Zukunftshoffnung ist, dass die Menschen nicht noch mehr gezwungen sind zu sparen, sondern dass sie es sich leisten können, sich einen schönen Abend zu machen, nach Hause zu gehen und zu sagen, das hat mich gefreut, das hatte Niveau und Stil und da gehen wir wieder hin. Das hoffe ich und das haben wir uns auch zur Aufgabe gemacht, das den Menschen zu geben. Das ist uns bisher, glaube ich gelungen, und das ist auch unsere Stärke und macht unseren Publikumskreis aus.

kammertheater raumK: Wie kam es dazu, dass Sie jetzt in die ehemalige Landeszentralbank einziehen? Inwieweit hat Sie das Rathaus und somit die Stadt unterstützt?
H. V.-R.: Eine gute Frage. Das war ein langer, beschwerlicher Weg. Wir habe uns vieles angesehen, und ich bin der Stadt sehr dankbar, dass es mit diesen Räumlichkeiten nun geklappt hat. Wir wissen ja, in welchen Zeiten wir leben und wie es finanziell bei der öffentlichen Hand aussieht. Nach dem Auszug am 27. April 2003 war eine ganz furchtbare Zeit für uns, wir führten ein richtiges Nomadendasein und zogen von einer Spielstätte in die andere. Das war nicht leicht und hat uns auch finanziell nichts gebracht, aber wir wollten einfach für unser Publikum präsent bleiben. Wir haben uns in dieser Zeit zahlreiche Räume angeschaut, da ging es auch immer wieder ums liebe Geld. Ich habe dabei auch immer gesagt, es hat keinen Sinn, an der Peripherie zu erscheinen - ein Boulevardtheater, das sagt schon der Name aus, soll ein prächtiges, schönes Theater sein und gehört in die Stadtmitte. Das muss ich auch der Firma Vollack zu Gute halten - Vollack wollte uns haben. Es ist ein Bestandteil des Mietvertrages, dass das Theater als Boulevardbühne weitergeführt wird. Das finde ich eigentlich ein sehr schönes Kompliment.

raumK: Ist Vollack damit so etwas wie ein Kulturmäzen für Sie?
H. V.-R.: In unserem Fall tritt Vollack bislang noch nicht direkt als Mäzen in Erscheinung, aber das kann sich ja noch ergeben. Das wäre natürlich schön. Vollack hat dieses Haus gekauft, die Stadt ist auf 20 Jahre im Mietkauf und wir sind dadurch Untermieter der Stadt.

raumK: Als Sie damals vorübergehend Ihre Pforten schließen mussten, sind Ihre fest angestellten Schauspieler noch die ganzen Monate hindurch bezahlt worden, um sie an das Kammertheater zu binden.
H. V.-R.: Ja, ich hätte es einfach menschlich nicht in Ordnung gefunden, Schauspieler, die sich bewährt und die ihr Publikum haben, in einer solchen Situation auf die Straße zu setzen. Man wusste ja auch lange Zeit nicht, wann wir wieder eröffnen können. Also sagte ich mir, ich stelle mich vor meine Leute, die bleiben hier und sind jederzeit abrufbar. Wir haben ja auch zwischenzeitlich durchaus Theater gespielt.

raumK: Wie viele fest angestellte Mitarbeiter beschäftigen Sie denn?
H. V.-R.: Lehrlinge oder Praktikanten haben wir keine. Insgesamt sind bei uns vier Schauspieler beschäftigt, zwei Damen im Büro - halbtags -, ein technischer Leiter und ich selbst.

raumK: Können wir unseren Lesern sagen, dass mit der Eröffnung des neuen Hauses raumK auch im Kammertheater ausliegen wird?
H. V.-R.: Selbstverständlich, das können Sie.

raumK: Frau Vogel-Reinsch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas Münzer
Foto 1: Heidi Vogel-Reinsch
Foto 2: Bernhard Schmitt, ONUK
Foto 3: Thomas Münzer

< zurück   weiter >

einfach.alles.finden

Kunstraum Neureut

RAUMK - KULTURZEITUNG FÜR KARLSRUHE und REGION
Monatlich & Kostenfrei