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Keith Ridgway: ?Normalzeit? Drucken E-Mail

Was ist schon normal? In Keith Ridgways Erzählband ?Normalzeit? eigentlich gar nichts. Der 1965 in Dublin geborene Autor führt uns in acht Episoden durch die Irrungen und Wirrungen seiner Protagonisten in den Grenzbereichen persönlichen Erlebens. Die einzelnen Kurzgeschichten unterscheiden sich in Stil und Stimmung teils beträchtlich, als roter Faden zieht sich jedoch immer die äußerste Subjektivität des Einzelnen durch die Erzählungen, eine Subjektivität, die nicht selten so weit überhand nimmt, dass Ridgways Figuren gänzlich die Orientierung verlieren und an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln beginnen.
Da wird erzählt von religiösen Obsessionen und Visionen, von existenziellen Daseinserfahrungen, von der paranoid-neurotischen Selbstsucht eines verliebten jungen Mannes und einem Vater, dessen duldsame Fassade ihn schon so sehr selbst täuscht, dass er als einzige Konsequenz aus seiner zerrütteten Ehe versucht, seinen Sohn zu töten, ohne es selbst zu realisieren. In ?Abseits von Vico? lässt Keith Ridgway in einem amüsanten Entwurf einer möglichen Zukunft sein Alter Ego als erinnerungsschwachen greisen Schriftsteller auftreten, den ein Unbekannter mit einer fünfzig Jahre zurückliegenden angeblichen gemeinsamen Liebesnacht konfrontiert, bis sich Suggestion und Realität miteinander vermischen.
Ridgways Geschichten können verunsichern und verstören. Einzig das letzte Kapitel von ?Normalzeit? hebt sich nicht nur wegen seiner schieren Länge vom Rest des Buches ab. Eine mysteriöse Story aus dem Dubliner Schwulenmilieu, die durch einen sehr persönlichen Ich-Erzähler den Leser geradezu ins Geschehen mit hineinzieht. Die lebenslustige Stimmung scheint auf gewisse Weise mit den vorhergehenden, teils düsteren und verstörenden Kapiteln versöhnen zu wollen.
Keith Ridgway, der für diesen Erzählband 2001 mit dem Rooney Prize for Irish Literature ausgezeichnet wurde, hat mit ?Normalzeit? ein durch und durch lesenswertes Buch vorgelegt, bei dessen Lektüre man allmählich ins Grübeln darüber verfällt, ob eine ?Normalität? ohne die ganzen kleinen Absurditäten und skurrilen Momente im Leben überhaupt denkbar ist. Dementsprechend endet das letzte Kapitel: ?Ich habe es weitergeben wollen, alles. Nun sind Sie an der Reihe. Erzählen Sie.?

Buchrezension von Bernd Kessinger
(Mai 2007)

Wagenbach Verlag 2007, ISBN-13: 987-3-8031-3209-3, 234 Seiten, ? 17,50

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