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Independent Days 2009 - Eine Nachlese

 

Dass Millionenbudgets nicht zwangsläufig zu Filmen führen, die um das tausendfache besser sind als Filme, denen nur wenig Geld zu Verfügung stand, weiß jeder, der zu oft ins Multiplexkino geht. In kaum einem anderen Medium ist Geld so wenig ein Garant für Qualität wie im Film. Erfolg läßt sich in diesem Business nicht voraussagen, auch wenn einige Produzenten gerne vollmundig ihre Filme schon lobhudelten, bevor sie in die Kinos kamen. Dass viele dramaturgisch und handwerklich fragwürdige Filme trotzdem finanziell erfolgreich sind, liegt an den Mechanismen des Blockbusters: Man lockt mittels teurer Werbekampagnen das Publikum ins Kino und bevor sich die miserable Qualität herumgesprochen hat, sind die Ausgaben des Filmes eingespielt. Bis zum Filmstart wird die Mundpropaganda von der Werbung sehr geschickt manipuliert, was sich in dem oft gehörten Chiffre ?Ich habe gehört, der soll gut sein? manifestiert.

Der Umkehrschluss - Filme mit kleinem oder keinem Budget seien grundsätzlich besser - ist auch nicht richtig. Aber diese so genannten ?kleinen? Filme haben einen Vorteil: Sie sind nur sich selbst verpflichtet; ihre künstlerischen Freiheiten sind fast grenzenlos. Damit stehen ihnen Möglichkeiten offen, denen Großproduktionen verschlossen bleiben, weil bei diesen viele, manchmal auch noch fachfremde, Köche den Brei verderben.

In Süddeutschland regiert der Grundsatz ?Was nix koscht, ist auch nix wert?. Den Gegenbeweis konnten dieses Jahr einige Filme auf den Karlsruher Independent Days antreten. Das Festival bietet Werken ein Forum, die sonst wenig Möglichkeiten haben, ein Publikum zu finden. Nicht, nicht weil sie zu ?schlecht? wären, sondern weil sie inhaltlich und formal nirgendwo hineinpassen: Für?s Kino zu kurz und für?s Fernsehen zu unkonventionell. Interessanterweise konnte man auch bei den Beiträgen innerhalb des Festivals beobachten, dass der Grad der künstlerischen Freiheit mit Abnahme des finanziellen Budgets drastisch anstieg. Im Low-Budget-Bereich tummelten sich noch sehr viele, sehr konventionell erzählte Geschichten; typische Filmhochschule-Abschlussfilme, deren Machart den Geist dröger Dramaturgievorlesungen atmen. Besonders deutsche Beiträge (z.B. ?Champagner kann nicht schaden? oder ?Immer Sommer?) bemühen sich sehr krampfhaft um

 eine versöhnliche Grundstimmung und enden in Rührseligkeit. Der experimentelle, siebeneinhalb Minuten lange Film ?Längere Hälse Grössere Leinwände? von Jos Diegel brachte es auf den Punkt; in ihm wurde ausgesprochen, was nicht wenige dachten: ?Viele Filmemacher sind dadurch verdorben worden, dass sie damit angefangen haben, dämliches Zeug zu erzählen?.

Im No-Budget-Bereich waren dann auch weit mehr Filme abseits klassischer Erzählformen zu entdecken. Werke wie ?Kranx - wie krank sind unsere Kinder? von Carsten Does oder der kurze und knackige Film ?Dyschromopie? des Heidelbergers Eckard Kruse. Sie benutzen bekannte Formate aus Film und Fernsehen, um ihre Inhalte satirisch aufzubereiten und fanden damit beim anwesenden Publikum mehr Zuspruch als streng von A nach B abgefilmte Geschichten.

Noch freier, noch ungezwungener und unkonventioneller waren die Werke im Block ?Super Trash de Luxe?. Mitnichten waren die Filme dort ?trashig?, also schlampig gemacht, wie man hätte vermuten können. Auch diese Werke bewiesen: Gute Filme brauchen penible Filmemacher, um gut zu sein. Leider war für diesen Bereich kein Preis ausgelobt. Filme wie ?Economclassics KBS?, ?Der Anner wo andersch? und vor allem ?Aber den Kunden gefällts doch? hätten alle eine Auszeichnung verdient.

Der Gewinner der No-Budget-Bereiches, ?Kopfgeburtenkontrolle? von Jan Riesenbeck, ist ein überaus hektisch geschnittener, neun Minuten langer Film. In diesem neun Minuten werden so ziemlich alle Themen abgehandelt, die man im Staccato in der kurzen Zeit erwähnen kann. 

Zum Text einer durchaus gelungenen literarischen Groteske wird jeder Halbsatz mit einer neuen Einstellung bebildert; die Ausstattung des Hauptdarstellers mit angeklebten Bart tendiert ins karnevaleske. Doch das konsequente Festhalten an den einmal eingeschlagenen Weg versöhnt: Die aus dem Off deklamierte Groteske karikierend bildlich umzusetzen, Zitat: ?Ein starker Rückgang der Bevölkerungsdichte durch verseuchte Mikrowellengerichte / Letzte Menschen in der Wüste salutieren vor ein Büste / Droht Gefahr aus dem All??

Das Independent Filmfestival in Karlsruhe ist keine Veranstaltung für den konservativen Kinogänger. Im Publikum im Veranstaltungsort Schauburg saßen auch mehrheitlich seherfahrene Zuschauer, viele von ihnen selbst Filmemacher, die die gezeigten Werke fachmännisch zu goutieren wussten. Es überwog die Begeisterung, dass man die seltene Gelegenheit bekam, Perlen weit abseits des Mainstreams sehen zu können. Leider trauten sich nur wenige Filmemacher, zu ihren Filmen zu stehen und vor das Publikum zu treten. Vom Angebot, den Zuschauern persönlich Rede und Antwort zu stehen, machten nur wenige Regisseure Gebrauch. (Hannes Blank)

 

Die Preisträger:

Low-Budget-Film:

Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe (1. Platz): Ein heimliches Geräusch (Regie: Michael Watzke)

2. Platz: Rabenmutter (Regie: Alex Schmitt)

3. Platz: Solo (Regie: Burckhard Feige)

No-Budget-Film:

Die Goldene ID 2009 (1. Platz): Kopfgeburtenkontrolle (Regie: Jan Riesenbeck)

2. Platz: Titanikchen (Regie: Silvia Bins)

3. Platz: Antje und wir (Regie: Felix Stienz)

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