Kulturpate e.V. raumK


Home
E-Paper
Presse
Aktionen/Themen
Rund um die Kunst
Rund um die Musik
Rund ums Theater
Rund um die Literatur
Rund um den Film
Ausstellungen
Kleinkunst
CD-Besprechung
Buchbesprechung
Filmbesprechungen
Internetrezensionen
Interviews
Portr?ts
Art Edition
Poesie
Gastro Tipps
Messen
Art & Business
Wellness & Gesundheit
Web Links
?ber uns
Mitarbeiter
Referenzen
Partner
Mediadaten
Jobs
Praktika
raumK-Treff
Abonnement
UNDING des Monats
Newsletter abonnieren!
Name

E-Mail Adresse
Abonnieren
Abbestellen

Home arrow Interviews arrow Das Kammertheater auf neuen Wegen
Das Kammertheater auf neuen Wegen Drucken E-Mail

Interview mit dem zukünftigen Intendanten Bernd Gnann

und Intendanzassistentin Lilly-Ann Repplinger

Bernd Gnann wurde 1973 im schwäbischen Aulendorf geboren. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium St. Johann in Blönried. An dieser Schule spielte er 1987 zum ersten mal Theater. Es folgten vier Hauptrollen und ein Engagement bei der erfolgreichen Kabarettgruppe ?D?Gallerie?. Thomas Beck meldete ihn in der Schauspielschule Stuttgart für eine Aufnahmeprüfung an, an der er 1992 aufgenommen wurde. 1994 drehte Gnann mit Erwin Michelberger seinen ersten Kinofilm ?Traumstreuner?. Es folgten einige Tatorthauptrollen, sowie Episodenhauptrollen in Balko, Ein Fall für Zwei, Soko, Berlin Berlin, Der Alte usw.. 1995 ging Gnann nach Essen ans Theater, um ein Jahr später wieder nach Stuttgart zurückzukommen. Friedrich Schirmer, der damalige Intendant des Staatstheaters, besetzte ihn als Peter Pan. Dort war er 13 Jahre lang u.a. in Stücken wie ?Der weiße Wolf? von Paul Maar, ?Romeo? in  Romeo und Julia?,  ?Gy Montag? in ?Fahrenheit 451?, ?Don Quichote? mit Corinna Harfouch zu sehen. Seit über 10 Jahren ist Gnann für den SWR2 als Radiosprecher tätig. Er moderiert verschiedene Liveshows und hat seit einigen Monaten einen Heinz Erhardt Abend. Ab August 2009 übernimmt er die Leitung des Kammertheaters Karlsruhe. 

Lilly-Ann Repplinger wurde im Saarland geboren und erhielt dort auch ihre Schauspielausbildung. Ihr erstes Engagement führte sie von Pforzheim über Hamburg, Frankfurt und zuletzt nach Karlsruhe, wo sie seit 2006 die COMPAGNIE GATTILIER leitet.

Sie ist außerdem Regisseurin und Sprecherin bei ARTE.

Im Kammertheater Karlsruhe wird sie als Stellvertretung der Direktion sowie als Schauspielerin tätig sein.

raumK: Herr Gnann, ab 1. August übernehmen Sie die Leitung des Kammertheaters. Was hat Sie als erfolgreichen Schauspieler zu diesem Schritt veranlasst? 

Gnann: Ich war am Staatstheater Stuttgart 13 Jahre fest engagiert. Dies hat mich dann bewogen, da aufzuhören, da ich aus einem festen Engagement herausgehen wollte. Es war für mich zu eng, und ich habe aufgrund meines Alters nicht mehr die Rollen bekommen, die ich spielen wollte. Dies war für mich Anlass, mit einem Soloprogramm auf Tour zu gehen, und zwar mit der "Made". Dieser Heinz-Erhardt-Abend ist für mich das Sprungbrett gewesen, um in die freie Schauspielerwelt herauszugehen. Dabei habe ich gemerkt, dass die Leute nicht nur unbedingt auf Heinz Erhardt stehen, sondern auch auf mich, den Bernd Gnann. Daraufhin habe ich das Programm umgebaut, dass es immer mehr zu einem Bernd-Gnann-Abend wurde, und daraus habe ich die Kraft bezogen, zu sagen, so jetzt bewerbe ich mich mal für mein eigenes Ding. Über den Werkstattleiter Christopher Maas aus Karlsruhe, mit dem ich am Staatstheater auch ein Stück zusammen gemacht habe, kam ich auf das Kammertheater. Er sagte zu mir: "Das Kammertheater wird frei, bewirb dich doch mal." Es war meine erste Bewerbung für ein Theater, und dann saß ich hier drin und musste das Komitee überzeugen, was mir anscheinend schnell gelang.  

raumK: Die Leitung eines Theaters erfordert einen nicht unerheblichen Verwaltungs- und Organisationsaufwand. Bleibt Ihnen da noch Spielraum, selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen?

Gnann: Ich glaube, wenn man bestimmte Aufgaben abgeben kann, lässt sich dieses Haus hier sehr gut strukturieren, und ich habe hervorragende Mitarbeiter, allen voran Lilly-Ann Repplinger. Sie wird große und wichtige Aufgaben übernehmen, sodass ich mir für meine künstlerischen Tätigkeiten Freiraum schaffe. Aber die Made wird natürlich auch hier im Kammertheater zu sehen sein. 

raumK: In den letzten Jahren hat sich das Kammertheater unter Heidi Vogel-Reinsch ein klares Profil als anspruchsvolles Boulevard-Theater gegeben. Sie haben bereits angekündigt, einen deutlichen Richtungswechsel zu vollziehen. Mit welchem Konzept treten Sie an und welches Profil soll das Kammertheater zukünftig erhalten? 

Gnann: Ich möchte das Kammertheater so strukturieren, wie es bereits einmal in der Vergangenheit aufgestellt war. Das Kammertheater hat früher oft Tragödien und ernstere Stücke gespielt, Klassiker, wie Shakespeare etwa. Aber jetzt hat das Staatstheater auch die "kleineren Stücke" auf den Spielplan genommen. Dies war der Grund, weshalb das Kammertheater auf die lustige Schiene gewechselt ist. Jetzt läuft das Boulevard-Theater nicht mehr, man spielt momentan gerade das Stück "Funny Money", eine hervorragende Komödie, und sehr gut inszeniert, aber es kommen nur wenige Zuschauer. Also muss man reagieren. Ich versuche jetzt eine Art "Volkstheater" zu machen, ein modernes Volkstheater mit Stücken, die es teilweise bereits gibt, aber ich lasse auch Stücke schreiben, die speziell für Karlsruher und Karlsruhe gedacht sind. Im Januar startet "Buffalo Bill", und ich hoffe, dass so auch die normalen Leute ins Theater kommen. Die ersten Erfolge sind schon zu spüren:  der Kartenvorverkauf für Emil und Richy Müller in Cyrano läuft schon sehr gut an. Wir haben nicht den Anspruch, die hohe Kultur in unserem Theater zu zeigen, sondern wir wollen ein modernes Volkstheater sein, das alle anspricht. Unser Cyrano wird klassisch inszeniert.

raumK: Nicht nur inhaltliche Veränderungen haben Sie angekündigt, sondern auch Änderungen in der Programmstruktur. Wie werden diese aussehen? 

Gnann: Der Unterschied vom jetzigen Spielbetrieb des Boulevard-Theater zu demjenigen des zukünftigen Volkstheaters wird sein, dass wir vom en Suite Betrieb, sprich vom Sechs-Wochen-Block abgehen und den zukünftigen Spielplan so gestalten, dass ein Stück höchstens zwei bis drei Wochen hintereinander läuft, dann wieder abgesetzt wird, und wenn es gut läuft, gibt?s den nächsten Block. Somit können wir uns natürlich auch finanziell absichern und schnell reagieren, wenn Stücke nicht gut ankommen. 

raumK: Stichwort Finanzen: Stadt und Land als die wichtigsten Zuschussgeber befinden sich in einer schwierigen Haushaltssituation. Reichen die Zuschüsse, die Sie erhalten aus und welche Rolle spielen Sponsoren? 

Gnann: Die Fördermittel von Stadt und Land reichen dahingehend aus, dass wir die Miete und einen Teil der Unkosten bezahlen können. Für den kompletten Theaterbetrieb reichen die Mittel nicht. Deshalb müssen wir uns auf Sponsorensuche machen, und wir haben tatsächlich welche gefunden. Wir haben z.B. die Hoepfner-Stiftung, die Hoepfner Brauerei ist mit an Bord, die Volksbank, über die wir auch die ganzen Kreditgeschäfte machen. Hier ist ein großes Vertrauen da, und ich finde es klasse, dass die Stadt selber mit offenen Armen dasteht und uns für ein Kinderstück extra Mittel zur Verfügung stellt, was uns hilft, auch beim Land Komplementärmittel zu beantragen.  

raumK: Es dauert ja immer eine gewisse Zeit, ein neues Profil im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Wie wollen Sie der Bevölkerung die neuen Inhalte des Kammertheaters zeitnah vermitteln?  

Gnann: Der Grundstein ist bereits gelegt. Der Grundstein war, dass ich unter der Leitung von Frau Vogel-Reinsch dreimal die "Made" spielen durfte. Die "Made" zielt genau auf das Publikum, das ich zukünftig ansprechen will. Die Mund-zu-Mund-Propaganda hat da hervorragend funktioniert: innerhalb von wenigen Tagen waren alle drei Vorstellungen ausverkauft. Das heißt, die Karlsruher sind interessiert, wer der Nachfolger ist, man ist schon im Gespräch. Die Presse macht mit; sie hilft mir unwahrscheinlich publik zu machen, dass etwas Neues geschieht. Ein weiterer Punkt ist, dass wir gerade am Anfang versuchen, mit prominenten Leuten Aufmerksamkeit für dieses Haus zu wecken, einmal mit Emil Steinberger, mit Richy Müller, Ralf Bauer und Corinna Harfouch. Ich glaube, es fehlt nur noch Gerhard Polt, dann hätten wir alle schön im Bunde.

raumK: Eine wichtige Funktion, nicht zuletzt auf diesem Feld hat sicher auch der Förderverein des Kammertheaters. Wie sehen Sie die Rolle dieses Vereins? 

Repplinger: Es sind generell sehr theaterinteressierte Menschen, geleitet von Hannelore Kucich, die seit vielen Jahren das Kammertheater sowohl als Zuschauer als auch mit vielen "Beigaben" begleiten und die Arbeit des Kammertheaters insgesamt erleichtern. Gerade wird das 200ste Mitglied geworben. Mitglieder des Vereins haben dafür die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Theaters zu schauen. Was aber ganz wichtig für uns ist: Sie sind Freunde des Kammertheaters.

raumK: Für hohe Aufmerksamkeit und teilweise auch für eine gewisse Unruhe sorgte Ihre Ankündigung, die ehemalige "Krone" parallel zur Spielzeiteröffnung Mitte September als "Marktlücke" mit einem künstlerischen Veranstaltungsprogramm neu zu starten. Welche Veranstaltungen wollen Sie dort platzieren?

Gnann: Ob es Unruhe ausgelöst hat, ist mir eigentlich nicht so bewusst. Es ist ein ganz normaler Vorgang. Die "Marktlücke" bzw. "Krone" ist ausgeschrieben worden, und wir haben uns beworben. Mein Bruder, Hermann Gnann, Hilmar Schäuble und ich haben den Zuschlag bekommen, und es ist eine völlig selbstständige GmbH & Co. KG. Wir haben in diesem Sinn mit dem Kammertheater nichts zu tun. Jetzt ist einer der drei zufällig auch noch Leiter des Kammertheaters, und ich habe ein Know-how was Kleinkunst angeht und versuche dies nun irgendwie zu vernetzen. Ich versuche jetzt mit unserer Maschinerie des Kammertheaters in der Marktlücke Kleinkunst zu etablieren: die Stücke, die nicht gleich bei uns auf die "große" Bühne kommen und im Kammertheater nicht unbedingt Fuß fassen können. Dies ist ein wunderbarer Spielraum, finde ich, es wird dort aber nicht primär Theater gespielt, sondern es ist vorrangig eine Gastronomie, und als solche soll sie auch weiterhin funktionieren. Sie soll eher dazu dienen, dem Kammertheater die Vorverkaufslasten abzunehmen. Dort werden ab morgens 10 Uhr bis nachts Karten fürs Kammertheater verkauft. Dies bedeutet eine große Entlastung fürs Kammertheater und für die Zuschauer eine hervorragende Möglichkeit, jederzeit an einen Kaffee und an eine Karte zu kommen. Dies kann ganz gut funktionieren, glaube ich, und die Kleinkunst kann man in der Marktlücke wunderbar bedienen.  

raumK: Wie schätzen Sie die Karlsruher Theaterlandschaft insgesamt und insbesondere im Hinblick auf die Position des Kammertheaters ein? 

Gnann: Grundsätzlich ist Karlsruhe eine wunderbar überschaubare Stadt, was die Kultur anbelangt. Es gibt einige kleinere Theater, die sich alle bemühen, ihre "Lücke" zu finden. Das Boulevard-Theater wird bei uns vereinzelt noch stattfinden, aber wir müssen nun anfangen, das moderne Volkstheater hier zu etablieren und dann ?unsere? Lücke zu finden. Wir versuchen, mit Profis ein gutes Theater zu etablieren und  das zweitbeste Theater nach dem Staatstheater zu werden.

raumK: Ein Punkt, der der Stadt Karlsruhe als einem Ihrer Geldgeber besonders am Herzen liegt, ist die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an die Kultur. Gibt es Ihrerseits Überlegungen, verstärkt im Bereich Kinder- und Jugendtheater aktiv zu werden? 

Gnann: Wir werden Kinder- und Jugendtheater machen, jedes Jahr ein Stück. Wir fangen an mit der Uraufführung von "Südstadtindianer", ein Stück, das extra für die Karlsruher geschrieben wurde und für alle, die etwas mehr über die Stadt wissen wollen. Ich glaube, dies trifft das Interesse der Kinder. 

raumK: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre zukünftige Arbeit. (Bernhard Schmitt) 

Foto: ONUK

Nr. 81/09

< zurück   weiter >

einfach.alles.finden

Kunstraum Neureut

RAUMK - KULTURZEITUNG FÜR KARLSRUHE und REGION
Monatlich & Kostenfrei