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Anja Bochan Text Drucken E-Mail

2. Platz: ? Mykonos? von Anja Bochan

Emma wohnte an einer Hauptstraße. Ihre Wohnung hatte sie nach ihrer Scheidung von Marek vor zwei Jahren bezogen. Diese hatte sie sich gemütlich und nach ihrem Geschmack eingerichtet. Sie liebte ihr Nest und ihre Arbeit beim Theater machte ihr viel Spaß. Sie war zwar keine berühmte Schauspielerin aber als gelernte Schneiderin hatte sie das Glück, deren Kostüme zu nähen oder abzuändern. Emma schaute sich gerne die Aufführungen an. Denn ein klein wenig hatte sie dazu beigetragen, dass die Theaterstücke aufgeführt werden konnten. Manchmal nach Proben oder Aufführungen, wenn die Schauspieler das Theater längst verlassen hatten, probierte sie die Kostüme an. Mal verkleidete sie sich als kleiner Gnom oder sie wurde zu einer starken Piratenbraut. Heute zog sie ein Hexenkostüm an. Das Kleid der schönen Prinzessin passte  Emma leider nicht. Sie hätte sich auch gar nicht getraut, es anzuziehen. Denn es erinnerte sie an ihr Hochzeitskleid.  Und an ihre Hochzeit vor fünfzehn Jahren.  Damals war sie eine Prinzessin, in einem weißen Kleid  und Mareks Freunde standen Spalier. Während das Brautpaar hindurch ging und sich ein Reisregen über ihnen ergoss. Vor ihnen gingen Kinder von Freunden und streuten Blumen. Es war eine wundervolle Hochzeit. Emma war so stolz auf ihren Mann. Sie war stolz darauf seinen Namen zu tragen und seine Frau zu sein.  Ihre Hochzeitreise führte das glückliche Paar nach Mykonos.  Weiße Häuser mit Flachdächern, farbigen Holztüren und Fenstern sowie mit Blumen geschmückte Balkone faszinierten Emma und Marek. Auf einer etwas erhöhten Stelle, fanden die beiden das Wahrzeichen der Insel. Fünf der ehemals zehn Windmühlen, die von der Umgebung Herangeliefertes Getreide bearbeiteten, waren dort noch erhalten.

Das Viertel Klein-Venedig, das ganz im venezianischen Stil an der Strandpromenade erbaut wurde, begeisterte Marek besonders. Sein großer Wunsch war es nämlich mit Emma einmal nach Venedig zu reisen. Zu dieser Reise kam es leider nie. Nun saß Emma als Hexe verkleidet alleine im Theater und war unsagbar traurig. Traurig darüber, dass ihre Beziehung zu  Marek gescheitert war. Sie stellte sich vor einen Spiegel und sah sich an. ?Genau das bist du. Eine widerliche Hexe. Diese Hexe hat mein Glück zerstört. Keine Luft zum Atem hat diese Hexe ihm gelassen? schrie Emma in ihr Spiegelbild. Weinend zog sie sich das Kostüm aus und verließ das Theater.

Mit dem Bus fuhr sie nach Hause. Im Fenster des Busses spiegelte sich ihr Gesicht. Sie hatte Mühe, sich selber in die Augen zu schauen. Emma bereute es, die Liebe ihres Lebens  verloren zu haben. Sie war froh, als der Bus in ihrer Straße hielt und sie aussteigen durfte. Schnell nahm sie noch die Post aus dem Briefkasten und verschwand in ihrer Wohnung. Das Telefon klingelte und sie nahm ab. Ihre Freundin Anna war dran. Emma hatte keine Lust zu telefonieren und versprach am nächsten Tag zurück zu rufen. Sie ließ sich Wasser in die Wanne ein und nahm ein ausgiebiges Bad. Wickelte sich in große Handtücher und machte es sich auf ihrem Sofa gemütlich. Sie saß einfach nur da und schaute sich in ihrem Wohnzimmer um. In der Glasvitrine entdeckte sie ihn, den kleinen Pelikan. Diesen hatte sie sich damals von ihrer Hochzeitsreise mitgebracht. Der Pelikan ist das Wahrzeichen von Mykonos. Emma stand auf, öffnete die Glastür und nahm den Pelikan aus dem Schrank. Sie konnte ihn kaum erkennen. Denn ihre Augen hatten sich schon wieder mit Tränen gefüllt. Mit zittrigen Händen stellte sie ihn schnell zurück. Holte sich aus der Küche, ein Glas Wein und ein Stück Käse und stellte den Fernseher ein. Sie schaltete zwischen den Sendern hin und her. Nach dem ersten Glas Wein war Emma gar nicht mehr so traurig. Sie hörte den Fernsehsprecher von einer mutigen Frau sprechen. ?Das bin ich auch. Ich bin mutig. Ich werde um meine große Liebe kämpfen? sagte Emma zu sich selber. Nahm ein Blatt Papier und wollte Marek einen Brief schreiben. Doch sie brachte keine einzige vernünftige Zeile zustande. Dann empfand sie das Vorhaben albern. Krampfhaft überlegte sie nach weiteren Möglichkeiten, mit Marek in Kontakt zu kommen.

Sie zerknüllte das Blatt Papier und warf es in den Mülleimer.  Emma stellte fest, dass sie Marek einfach nur ganz doll vermisste. Er war viele Jahre ihr bester Freund und sie liebte ihn. ?Ich möchte ihn wieder haben. Und wenn nicht als Mann oder Partner, wenigstens wieder als Freund? sprach sie mit sich selber.  Es war ihr egal, was ihre Freundinnen dazu sagen würden. Sie konnte auch schon die Worte ihrer Eltern hören: ? Der ist nicht gut für Dich. Marek hat dich schlecht behandelt? und so weiter. Nach dem sie die Flasche Wein geleert hatte, fiel sie in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen hatte sie Kopfschmerzen und von der Heulerei dicke geschwollene Augen. Außerdem war sie gar nicht mehr so mutig, wie am Abend zuvor. Sie verdrängte den letzten Abend und begann bei lauter Musik, ihre Wohnung zu putzen, wie sie es jedes Wochenende tat. Ihr Putzvergnügen wurde jäh unterbrochen von dem Klingeln ihres Telefons. Anna war dran. Sie wollte sich unbedingt mit Emma treffen. Die Frauen verabredeten sich für den Abend beim nahe gelegenen Italiener. Anna war pausenlos am erzählen von ihrem Mann Stefan. Sie war sich nur am beschweren. Emma hörte sich das Gejammer an und schwieg. Anna redete und Emma musste an Marek denken. Dicke Tränen liefen ihr die Wangen herunter. Und Anna fragte, was los sei. ? Marek fehlt mir. Ich wusste, du hältst mich jetzt für verrückt, da wir seit zwei Jahren getrennt sind. Aber es ist halt so. Und Du solltest mal darüber nachdenken ob dein Stefan wirklich so schlimm ist. Bevor Du eines Tages da sitzt wie ich und ihn schrecklich vermisst? sprudelte es aus Emma raus.

Anna sagte nun gar nichts mehr. Sie nippte an ihrem Wein und schien nachzudenken.

? Was willst du jetzt machen?? fragte Anna. Emma antwortete: ? Nichts. Das mit Marek habe ich vergeigt. Ich wäre schon glücklich, wenn wir nur wieder Freunde werden könnten.? Das Gespräch war beendet und die Frauen verließen das Restaurant. Auf dem Nachhauseweg entdeckte Emma ein Plakat. Auf diesem wurde für eine Freunde kennen lernen Internetseite geworben. ?Genau, das ist es. Ich suche mir einen neuen Freund? dachte sich Emma. Zu Hause angekommen, setzte sie sich an ihren Laptop.

Sie suchte nach dieser Seite und fand sie. Zuerst musste sie sich dort anmelden. Sie füllte aber nur die Pflichtfelder aus. Eigentlich fand sie die Idee nun auch schon wieder doof aber Emma machte weiter. Die persönlichen Fragen, beantwortete sie nicht.

Sie schaute sich einige Männer an und wurde auch prompt angeschrieben. Aber auf diese billige Anmache reagierte sie nicht. Einfach so klickte sie wahllos Männer an.

Einige sahen nett aus aber nett aussehen kann ja jeder. Emma bemerkte am oberen Rand die Suchfunktion und gab Marek ein. Etliche Mareks gab es hier. Jeden einzelnen schaute sie sich an, in der Hoffnung ihren Marek zu finden. Es war schon weit nach Mitternacht und Emma war sehr müde. Sie hatte nur noch etwa fünf Mareks anzusehen und traute ihren Augen nicht. Tatsächlich, der vorletzte war ihrer. Ihr Ex Mann. Emma konnte es nicht glauben. Er hatte sogar ein Foto von sich eingestellt.

Sie starrte auf ihren Laptop und genoss seinen Anblick. Er hatte sich in den letzten beiden Jahren nicht verändert. Im Gegenteil, sie fand ihn noch niedlicher als je zuvor.

Emma speicherte die Seite ab und versuchte zu schlafen. Der Mond schien in das Fenster. Sie wälzte sich von einer Seite auf die andere. Irgendwann war Emma eingeschlafen. Gleich am nächsten Morgen machte sie den Laptop wieder an und schaute sich ihren Marek an. Sie ließ sein Bild offen und ging duschen. Emma kochte sich einen Kaffee und setzte sich zu Marek. Überglücklich war sie. Auf diese Art und Weise hatte sie einen kleinen Teil von ihm bei sich. Auf der Arbeit  nahm sie das schöne Kleid der Prinzessin und drückte es an sich. Emma freute sich auf den Feierabend. Sie kaufte sich auf dem Heimweg noch eine Flasche Wein und wollte es sich mit Marek auf dem Sofa gemütlich machen. Stellte den Laptop wieder auf den Wohnzimmertisch und öffnete sein Bild.

                      

 Aus der Küche holte sie den Wein.  Da hörte sie einen leisen Ton. Dieser konnte nur von dem Laptop auf dem Tisch gekommen sein. Emma eilte in das Wohnzimmer und schaute auf den Laptop.

 ?Sie haben eine Nachricht?, stand auf dem Bildschirm. Emma klickte sie an.

 Hallo, wer bist Du? Schön, dass du dich sehr für mich interessierst. Ich würde gerne mehr über dich erfahren. Liebe Grüße Marek. Emma wurde fast ohnmächtig. Wie war  Marek ihr auf die Schliche gekommen? Schnell schloss sie sein Bild und atmete tief durch. Dann öffnete sie ihr eigenes Profil und schaute sich ihre Seite an. Es gab dort eine Funktion, mit der sie für andere nicht sichtbar war. Emma hatte sie aber nicht aktiviert. ?Ich dusselige Kuh? ärgerte sie sich über sich selbst. Wenn Marek heraus bekam, dass sie hinter dem Ganzen steckte. Es würde wie in ihren letzte Wochen ihrer Beziehung, zu heftigen Streitereien kommen. Emma fühlte sich sehr schlecht, als sie an diese Zeit zurück dachte. Sie hatten sich gegenseitig sehr verletzt. Im Nachhinein tat es ihr ganz schön leid. Emma trank ein Glas Rotwein. Sie öffnete Mareks Profil und  nahm all ihren Mut zusammen. Emma schrieb Marek eine Nachricht. Seine schönen braunen Augen und sein Lächeln haben ihr einfach nur gut gefallen. Sie würde sich freuen, ihn einfach nur anschauen zu dürfen. Sie hätte keine Absichten und eigentlich wäre sie nur auf der Suche, nach ihrem besten Freund.

Dann machte sie den Laptop aus und beschloss, dass alles sein zu lassen. Marek hatte bestimmt eine neue Partnerin. Emma wollte sich nicht in irgendetwas hinein steigern. Die nächsten Tage zwang sie sich nicht an den Laptop zu gehen. Tief im Inneren hoffte sie aber auf eine Nachricht von Marek. Emma verbrachte viel Zeit mit ihrer Freundin Anna. Sie versuchte sich abzulenken. Doch immer wieder war Marek in ihren Gedanken. Irgendwann ließ sie es einfach zu und dachte sich, warum eigentlich nicht. Emma schaltete ihren Laptop an und war erstaunt, sie hatte eine Nachricht von Marek bekommen. Nicht nur eine sondern zwei.

Marek schrieb, dass er sich freuen würde, sie auch anschauen zu dürfen. Vielleicht hätte sie ja auch niedliche Augen. Und bei der Suche nach ihrem besten Freund, könnte er vielleicht mithelfen. Emma sollte ihm den Namen ihres Freundes verraten.

 ? Meine Güte, wie niedlich er ist? freute sich Emma. Genauso hatte sie Marek damals kennen gelernt. Hilfsbereit und nicht aufdringlich. Er hatte sich nicht verändert. Gerne hätte sie ihm einfach die Wahrheit gesagt. Doch dann wäre er genauso schnell wieder aus ihrem Leben verschwunden, wie er aufgetaucht war. In der zweiten Nachricht  bat er darum, ein Lebenszeichen von Emma zu erhalten. Was sie auch tat. Sie schrieb ihm, dass ihr bester Freund sehr weit weg ist. Es war nur ein Versuch ihn hier zu finden. Ein Foto von sich zu schicken, dass traue sie sich nicht. Denn sie wäre lange nicht so attraktiv wie er. Außerdem wäre sie dick und hätte krumme Beine. Emma schrieb einfach, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen. Marek antwortete nach wenigen Minuten. So hässlich könnte sie nicht sein, wie sie schrieb. Außerdem hätte jeder Mensch etwas Schönes. Und  wenn es nur schöne krumme Beine wären. Die beiden schrieben sich alberne Sachen hin und her. Emma fand es lustig. Spät am Abend verabschiedeten sie sich und Marek wünschte ihr eine gute Nacht. Sie fühlte sich überglücklich und freute sich auf eine neue Nachrichten von Marek.  Doch Marek hatte nicht geschrieben. Sie versuchte es mit einem vorsichtigem ? Hallo?. Es kam keine Antwort. Auch am nächsten Tag meldete sich Marek nicht. Emma schrieb nach dem sie ganze drei Tage nichts von Marek gehört hatte, noch ein ? Hallo? Wo bist Du?? und bekam keine Antwort. Nach einer Woche, sie hatte Marek längst abgeschrieben, wollte sie ihr Profil auf dieser Internetseite löschen. Sie hatte eine Nachricht bekommen! Schnell begann sie zu lesen. Mareks Computer war kaputt gegangen und er hatte keine Möglichkeit ihr zu schreiben. In dieser Nachricht hatte er seine Handynummer hinterlassen und um Rückruf gebeten.

                                              

Emma notierte sich die Nummer und löschte ihr Profil. Was sollte sie nun machen. Sie konnte Marek nicht anrufen. Er würde sofort ihre Stimme erkennen. Doch den Kontakt ganz abbrechen wollte sie nicht. Sie könnte wie der böse Wolf im Märchen, Kreide essen damit ihre Stimme heller klang. Anna könnte anrufen. Nein, sie wollte Anna nicht einweihen. Emma stellte sich vor den Spiegel und versuchte mit verstellter Stimme zu sprechen. Alle Versuche schlugen fehl. Trotzdem schrieb sie Marek eine SMS. Sie schrieb einfach, dass sie gerade Besuch hätte und nicht telefonieren könnte. Marek antwortete sofort und bat wenigstens um ihren Namen. Mist, darüber hatte sie gar nicht nachgedacht. Er hatte nicht mal ihren Namen und offiziell wusste sie auch seinen nicht. ?Oh, Gott! Wie heiße ich?? Emma war wie gelähmt. Emma schrieb: EMMA. Dann trat Funkstille ein. Marek antwortete nicht. Kurz vor dem schlafen gehen kam eine Nachricht zurück. In dieser schrieb er, dass seine Ex Frau Emma hieß. Deswegen war er ein wenig geschockt. Er entschuldigte sich bei ihr. Emma nahm die Entschuldigung an. Er schrieb zurück, dass er irgendwie ein Gefühl der Vertrautheit hatte. Wenn sie sich schrieben. In Emmas Hals bildete sich ein großer Kloß. Sie hatte richtige Schluckbeschwerden. Wieder war ihr danach, alles aufzuklären. In der nächsten Zeit erfand Emma immer wieder neue Gründe, nicht mit Marek telefonieren zu können. Sie genoss es, mehrfach am Tag von ihm Textnachrichten auf ihr Handy zu bekommen. Er war so liebevoll. Auf der anderen Seite fühlte sie sich wie eine Lügnerin. Emma wusste nicht, wie Marek reagieren würde. Ob er immer noch wütend auf sie war? Verzeihen würde er ihr diese Aktion bestimmt nicht. Marek mochte es nicht an der Nase herum geführt zu werden.

Jeden Abend gab sie dem kleinen Pelikan in der Glasvitrine ein Küsschen.  Und es wurde noch verrückter. Emma suchte in ihrem Schmuckkästchen nach ihrem Ehering. Marek und Emma hatten sich ihre Namen eingravieren lassen. Als Emma die Gravur sah, musste sie bitterlich weinen. Zu gerne hätte sie die Zeit zurück gedreht. Sie würde vieles anders machen. Unter Tränen steckte sie sich ihren Ring auf den Finger. Als ihr Handy klingelte. Schluchzend ging sie dran. ? Hallo Emma, ich bin es Marek. Ich wollte unbedingt deine Stimme hören. Wir schreiben uns jetzt schon seit drei Wochen. Ich hoffe du bist mir nicht böse, dass ich dich einfach angerufen habe?. Emma antwortete, ? Nein, ich freue mich auch deine Stimme zu hören?. Es hatte den Anschein, dass Marek ihre Stimme nicht erkannt hatte. Er fragte nur ob sie Schnupfen hatte. Das war es, Emma hatte Schnupfen. Sie kramte im Bad nach den Wäscheklammern und klemmte sich eine auf die Nase. Sie telefonierten sehr lange, über Gott und die Welt sprachen sie. Immer wieder fiel Emmas Blick auf den Ring an ihrem Finger. Am Ende des Telefonates, schmerzte ihre Nase sehr. Es hatte sich auf ihrer Nase ein länglicher blauer Fleck gebildet. Diesen kaschierte Emma mit einem Abdeckstift. Am nächsten Tag wurde sie von ihren Kollegen wegen dem blauen Fleck auf ihrer Nase, aufgezogen. Emma wurde wütend. Sie hatte keine Lust mehr auf dieses Schauspiel und beschloss, Marek reinen Wein einzuschenken. Obwohl es ihr richtig leid tat. Denn damit war die tolle Zeit, des heimlichen verliebt Seins vorbei.

Sie schrieb Marek einen langen Brief und nahm sich fest vor ihm diesen vorzulesen.

Am Abend rief Marek an und Emma wurde ein wenig mulmig. Statt ihm den Brief vorzulesen, hielt sie sich die Nase zu und telefonierte ?verschnupft? mit ihm. Und es kam, wie es kommen  musste. Marek drängte auf ein Treffen mit Emma. Unsagbar viele Ausreden fielen ihr ein. Doch Marek ließ nicht locker. Er wollte sich unbedingt am Wochenende mit Emma treffen. Emma konnte sich im Theater eine passende Verkleidung aussuchen und sich von der Maskenbildnerin Rita, ein neues Gesicht kreieren lassen. Emma wusste nicht mehr weiter. Sie war total verzweifelt.

Rita war ihre einzige Chance. Emma klagte Rita ihr Leid und Rita bekam einen Lachanfall.                                                          

Emma fing an zu heulen und fand Rita richtig blöd und sagte: ? Hör auf zu lachen. Das ist gar nicht nett?. Rita hielt Emma eine Hexennase aus Silikon hin und antwortete:

? Hier, probier mal. Vielleicht steht sie dir. Sage mal Emma, wie blöd bist du eigentlich??. ? Voll blöd, bin ich? schluchzte Emma. Rita nahm sie in den Arm und redete ihr das Vorhaben mit dem Verkleiden aus. ? Entweder sagst du Marek die Wahrheit oder du lässt ihn einfach in Ruhe? riet Rita ihrer Freundin Emma. 

Emma ließ Marek nicht in Ruhe. Sie verabredete sich mit Marek  in einem tollen Restaurant. Marek war pünktlich. Emma hatte sich vor dem Restaurant in einer dunklen Ecke versteckt. Marek ging in das Restaurant und setzte sich an einen Tisch. Diesen Tisch hatte Emma vorbestellt. Marek bestellte sich ein Glas Bier. Emma konnte sehen, wie der Kellner das Glas brachte und wie verabredet, überreichte der Kellner zum Bier den kleinen Pelikan. Das war das Zeichen für Emma zur Flucht. Sie lief zur nächsten Bushaltestelle und sah den Bus schon kommen, stieg hinein und fuhr ab. Ein bisschen feige fand Emma sich schon. Doch für ein offenes und ehrliches Gespräch war sie nicht bereit. Denn sie wollte sich nie mehr mit Marek streiten. Mit dem Pelikan hatte sie ihm indirekt die Wahrheit gesagt und das musste in Emmas Augen reichen. Im Nachhinein war Emma froh über ihre Entscheidung. Am nächsten Tag, erzählte sie Rita von dem Treffen. Emma war  froh, nicht mehr Lügen zu müssen. Natürlich hätte sie gerne ihren Marek zurück gewonnen. Aber sie wusste einfach nicht, wie sie es hätte anstellen können. Marek meldete sich nicht mehr bei Emma. Darüber war Emma  traurig. Sie hatte insgeheim gehofft, Marek würde sie vielleicht suchen. Stattdessen bekam sie eine Einladung zu Ritas Geburtstag. In der Innenstadt wollte sie für ihre Freundin ein Geschenk kaufen. Eine tolle Flasche Rotwein und ein Buch. Zu Hause verpackte sie das Buch liebevoll und zog sich schön an. Mit dem Bus fuhr sie zu Rita.

Vor dem Haus konnte sie schon die Musik und die Stimmen der Gäste hören. In der Wohnung wurde schon ausgelassen gefeiert. Emma war gut gelaunt und sah blendend aus, fand Rita. Das Büffet war reichlich gedeckt und der Wein war lecker.

Emma unterhielt sich ausgelassen mit einigen ihrer Arbeitskollegen. Bis Rita kam und sagte: ? Ich möchte dir gerne jemanden vorstellen?. Rita führte Emma in ihre Küche und dort stand er. Marek! Emmas Kopf fing an zu glühen und sie zitterte am ganzen Körper. Marek machte einen Schritt auf sie zu und nahm sie in den Arm. Die Umarmung fühlte sich so vertraut an. Emma war glücklich. Rita erklärte ihr, dass sie Marek gesucht hatte um ihn zu ihrer Party einzuladen. Dann verließ sie die Küche. Und Marek war froh, Emma wieder zusehen. Er war gar nicht böse auf Emma. Ganz im Gegenteil. Er hatte Emma genauso vermisst, wie sie ihn. In dem Restaurant, mit der Übergabe des Pelikans, wurde ihm bewusst wie sehr Emma ihm fehlte. Die frisch Verliebten verließen die Party und fuhren zu Marek. Er wohnte jetzt in einer kleinen aber sehr gemütlichen Wohnung. Marek machte leise Musik an und öffnete eine Flasche Wein. Emma hatte es sich schon auf dem Sofa gemütlich gemacht. Marek setzte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss. Dann nahm er Emmas Hand und sagte:

? Emma weißt du was ich total schön finde?? und schaute auf Emmas Hand. In diesem Moment bemerkte Emma, dass sie ihren Ring noch am Finger hatte. Emma antworte nichts und Marek sagte: ? Ich freue mich, dass Du unseren Ehering immer noch trägst. Meinen habe ich damals weg geworfen. Aber gleich Morgen gehen wir und kaufen neue Ringe?.

Zur Vita Anja Bohan

 

 

 


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